„Das System verletzt den Datenschutz“: Teilerfolg für die Blaulicht-Rebellen

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Jeden Einsatz sollen Bayerns Notärzte elektronisch dokumentieren, verlangt die Kassenärztliche Vereinigung Kassenärtzliche Vereinigung Bayern seit Beginn des Jahres. Dies sieht die Novelle des Rettungsdienstgesetzes vor. Pro Jahr sind rund 330000 Notarzt-Einsätze der bayernweit 3500 Notärzte auszuwerten. Die Ärzte selbst wehren sich gegen den zusätzlichen bürokratischen Aufwand. Sie möchten vor allem intime Daten der Patienten nicht per Internet versenden.

„Das System verletzt den Datenschutz“:

Dr. Oliver Gregor aus Coburg, Notarzt aus Leidenschaft.

Teilerfolg für die Blaulicht-Rebellen 🙄

Streit | Bayerns Notärzte setzen sich zur Wehr. Sie wollen ihre Schweigepflicht nicht brechen und Patienten-Daten elektronisch weitergeben. Der entscheidende Impuls für einen Kompromiss mit der Kassenärztlichen Vereinigung kommt jetzt aus Coburg.

Von Alexander Wunner

Coburg – „emDoc“ heißt der Stein des Anstoßes. Immer mehr Notärzte sind in den letzten Wochen gegen das neue Dokumentationssystem der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern Sturm gelaufen.

Damit sollen Notärzte seit Jahresbeginn alle Einsätze auch elektronisch protokollieren. Eine Gesetzesnovelle hatte die standardisierte Dokumentation der Einsätze im Freistaat gefordert. „Gegen eine Dokumentation wehren wir uns auch gar nicht“, macht Dr. Oliver Gregor, Sprecher des Hausarztvereins Coburg-Stadt und Land sowie Notarzt deutlich. Im Gegenteil: „Das machen wir seit 20 Jahren.“

Dass sie nun aber ihre Einsätze doppelt dokumentieren sollen, einmal handschriftlich an der Unfallstelle und zusätzlich noch einmal elektronisch, dagegen protestieren die Notfallärzte auch in der Region mit aller Macht. Ihr Credo: Das handschriftliche Verfahren sei völlig ausreichend, der bürokratische Mehraufwand schade sogar dem Patienten.

Auch die Art der Einführung des umstrittenen Systems halten die Notärzte für höchst fragwürdig. So habe die Kassenärztliche Vereinigung Bayern gemeinsam mit einem Softwarrehersteller das System entwickelt und später auf dem Markt gebracht, ohne einen aktiven Notarzt einzubinden: „Das ist völlig unverständlich“, so Dr. Oliver Gegor.

Notärzte aus allen Teilen Bayerns wehren sich mittlerweile juristisch gegen die Kassenärztliche Vereinigung Bayern. Die Abrechnungsstelle verpflichtet die Mediziner seit Anfang des Jahres, Daten jedes Einsatzes in das elektronische System „emDoc“ einzugeben. Dr. Gregor findet: „Das System verletzt den Datenschutz des Patienten wie auch die ärztliche Schweigepflicht.“

Notärzte im Wohnwagen

75 Prozent der Notärzte des Freistaats verweigerten seit Anfang des Jahres die emDoc-Dokumentation. In Günzburg streikten die Notärzte, was dazu führte, dass die Kassenärztliche Vereinigung Bayern sogar Bundeswehrnotärzte in Wohnwagen ankarren ließ.

Bei der Kassenärzlichen Vereinigung hält man den Aufschrei unter den Ärzten für völlig übertrieben. Vom gläsernen Patienten könne keineswegs die Rede sein, findet Pressesprecherin Kirsten Warweg. Die Patienten-Daten seien gut geschützt. Zwischen Internet und Bankdaten beim Online-Banking gebe es keine Unterschiede. „Wir wollen keine Patienten durchleuchten und sehen auch nicht die Daten der einzelnen Personen.“ Die könnten nur nach Beschluss eines Richters zusammengeführt werden.

Und überhaupt: Der Datenschutzbeauftragte des Freistaats Bayern habe den Prozess von Beginn an begleitet und keine Einwände erhoben.

Diskussionen gibt es zwischen Ärzten und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern auch bei der Frage des Zeitaufwandes. So klagen einige Notärzte, sie müssten nach der Schicht nun zusätzlich Zeit für die Protokollierung aufwenden. Die Kssenärztliche Vereinigung Bayern stellt das anders dar.

Bei der Vergütung, so die Pressesprecherin, werde unterschieden zwischen Bereitschaftspauschale und Entlohnung je nach Einsatz. Die Bereitschaftspauschale sei eben erst erhöht worden. Und die Ärzte könnten schließlich die Bereitschaftszeit nutzen, um die Protokolle zu schreiben.

In diesen Tagen hat es in München ein Treffen zwischen KBV und den größten emDoc Kritikern gegeben. Einer von ihnen: Dr. Oliver Gregor. Mit dem Ergebnis des dort geschlossenen Kompromisses sind er und die anderen „Blaulicht-Rebellen“ nur bedingt zufrieden: „Wir verfallen nicht in Freudentänze, aber wir haben Fortschritte erzielt.“

Unter anderem wird die Kassenärztliche Vereinigung Bayern noch in diesem Quartal eine „offline-Version“ vom emDoc bereitstellen und die Pflicht zur Eingabe der Protokolle wird ausgesetzt. Die Honorierung will die Standesvertretung ebenfalls anders strukturieren.

Der Coburger Arzt sieht das Ganze nur als Teilerfolg an: „Wir hätten das System kippen können.“

Gleichzeitig glaubt Dr. Gregor, dass Politik und KVB die Signale der Ärzte verstanden hätten: „Sie haben hoffentlich aus den Protesten der Hausärzte gelernt.“

Wenn es um Sekunden geht: Notärzte in Aktion. Sie sollen jeden Einsatz nun doppelt dokumentieren und Daten an die Kassenärztliche Vereinigung weitergeben. Das hat zu gewaltigen Protesten geführt.

5 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. gelschter User
    Mrz 10, 2010 @ 13:46:52

    Was soll eigentlich noch alles dokumentiert werden ?
    ich arbeite selber im Gesundheitssystem und was da alles doppelt dokumentiert werden muß, grenzt schon an….na ja möchte mich dazu nicht äußern.
    Fakt ist, diese Ärzte die rund um die Uhr im Einsatz sind und kaum Zeit zum schlafen haben auch noch doppelt dokumentieren müssen finde ich gelinde gesagt eine Frechheit….Anscheinend habe die, die das ausklügeln nichts zu tun…Vielleicht werden sie wach wenn sie mal einen Notarzt brauchen…
    Aber leider ist Deutschland ein Land der Vorschriften und Gesetzte diese Verbissenheit Regeln zu erstellen kann ich persönlich nicht nachvollziehen……

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  2. Hoelderlin
    Mrz 10, 2010 @ 17:59:26

    Du sagst es. Nur ob man hier in diesem Land noch mal wach wird, wage ich allerdings zu bezweifeln.

    LG Hoelderlin

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  3. gelschter User
    Mrz 11, 2010 @ 11:11:36

    man wird nicht wach kommt immer wieder was NEUES *g*

    LG Maischa

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  4. Hoelderlin
    Mrz 11, 2010 @ 20:43:32

    Deutschland bürokratisiert sich noch zu Tode. Beste Beispiele das Steuersystem und Hartz IV. Beides Bürokratiemonster.

    Gilt allerdings auch im Gesundheitswesen und im Altenpflegebereich. Was da alles dokumentiert werden muss, man fasst sich nur noch an den Kopf. Für die Betreuung von Patienten und die Pflege von alten Menschen bleibt kaum noch Zeit.

    LG Hoelderlin

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  5. mahnred
    Okt 02, 2011 @ 21:20:49

    Moin.
    …und im Altenpflegebereich…
    Standartisierter Pflege-Plan-Schwachsinn kommt da voll zur Blüte : auch für Frauen : Kämmen und Rasieren= 2,87 €/Tag.
    Miteinander Reden ist nicht vorgesehen.
    Satt(???)und sauber und weg zu Dumping-Löhnen, aber Ver-Sorgung dokumentiert und unterschrieben . Plan erfüllt.
    Geht es hier eigentlich um Menschen oder um Maschinen ?!?
    => Renate Hartwig : Der ausverkaufte Patient (sehr schöne Glosse über Computer-VER-Sorgung darin !)

    Mögliche Alternativen wären : ?
    mit Frage
    mahnred

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