Ausbeutung pur: Statt bezahlte Arbeit, unbezahlte Hospitation als Dipl. Psychologe

Ausbeutung pur: Statt bezahlte Arbeit, unbezahlte Hospitation als Dipl. Psychologe im Amt für soziale Dienste in Hamburg von mehr als einem Jahr

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FREIE UND HANSESTADT HAMBURG

BEZIRKSAMT HAMBURG – MITTE

Zeugnis:

Über die Hospitation von Herrn M. L. während der Zeit vom 30.06.1993 bis 30.09.1994 im Amt für soziale Dienste, Abteilung Horn.

Der Dipl. Psychologe Herr M. L. geb. …… war im Rahmen seiner Zusatzausbildung in systemischer Therapie, Familientherapie (NIK) in Bremen an drei Tagen in der Woche in unserer Dienststelle tätig.

Das Amt für soziale Dienste ist vorrangig für die Aufgabenwahrnehmung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz zuständig; insbesondere für die Aufgabenbereiche Partnerschafts-, Scheidungs- und Trennungsberatung, Mitwirkung bei den Familien- und Vormundschaftsgerichten in jugendamtlichen Aufgaben und Gewährung von Hilfen zur Erziehung.

Unsere Einrichtung arbeitet in einem Stadtteil, der in Hamburg als problembelastet gilt. Hier leben Alleinerziehende und Familien in zum Teil schwierigen Lebenssituationen u. a. mit Kontakt-, Kommunikations- und Erziehungsproblemen bei den Eltern, sowie Entwicklungsauffälligkeiten und Schul und Ausbildungsproblemen bei den Kindern und Jugendlichen.

Während seiner Tätigkeit übernahm Herr L. u. a. folgende Aufgaben:

– Durchführung von Beratung u. kurzfristigen sowie langfristigen Einzel-, Familien- u. Paartherapien.

– Erziehungsberatung.

– Teilnahme an einer Erziehungskonferenz.

– Aufsuchende Arbeit (familiärer Hausbesuch)

– Teilnahme an Gerichtsverhandlungen beim Familien- und Vormundschaftsgericht.

– Zusammenarbeit mit anderen psychosozialen Einrichtungen wie Kindertagesheim u. Drogenberatungsstelle.

– Teilnahme an Dienstbesprechungen und externer Praxisberatung

Zu seinem Klientel gehörten insbesondere alleinerziehende Mütter und Familien in unterschiedlichen sozialen Situationen sowie Paare mit Kommunikationsproblemen vorrangig in der Vor-, und Nachscheidungsphase im Rahmen der Scheidungs- und Trennungsberatung.

Die regelmäßige Supervision beim Ausbildungsinstitut (NIK) war für Herrn L. hilfreich bei der Bearbeitung seiner exemplarischen Fälle.

Nach einer kurzen Einarbeitungszeit (Anmerkung des Autors: Die Einarbeitung musste selbständig erfolgen, da in der Abteilung kein weiterer Psychologe tätig war) arbeitete Herr L. selbständig mit Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und sozialen Situationen.

Hier zeigte Herr L. sehr viel Einfühlungsvermögen und Verständnis für die jeweils individuelle Situation der Klienten.
Innerhalb des Therapieprozesses richtete sich Herr L. an dem lösungsorientierten Ansatz aus und berücksichtigte dabei systemische Zusammenhänge. Es ist ihm dabei gelungen, die Ressourcen der Klienten zu fördern und mit ihnen gemeinsam neue Zieldefinitionen zu entwickeln.

Innerhalb seiner Tätigkeit arbeitete Herr L. sowohl mit fallzuständigen Sozialpädagogen als auch mit der Leitung zusammen.

Die Arbeit von Herrn L. war gekennzeichnet von Engagement, Kreatitvität, Zuverlässigkeit und Kontinuität.
Durch Reflexionen und fachlichen Austausch kam es zu gegenseitigen konstruktiven Lernerfahrungen.

Wir danken Herrn Lange für die engagiert geleistete Arbeit und wünsche ihm viel Erfolg für seinen weiteren beruflichen Werdegang.

i.V.
Pump (Anmerkung des Autors: Herr Ehrhard Pump war zum damaligen Zeit, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes / DGB in Hamburg)

Anmerkung des Autors:

Jeweils 8 Stunden pro Tag war ich hier tätig, ohne dafür auch nur einen Pfennig Gehalt zu bekommen. Das Zeugnis ist nicht gerade mit sehr viel Herzblut formuliert und entspricht bei weitem nicht meinem hohen Engagement in dieser Einrichtung.

Voll ausgebildet durfte ich dort, ohne jegliches Gehalt tätig sein, konfrontiert mit einem nicht gerade einfachen Klientel. Eine Tätigkeit von über einem Jahr, bezeichnet man knallhart als Hospitation. Eine Hospitation dauert in der Regel maximal ein paar Wochen und es muss mindestens ein dort tätiger Dipl. Psychologe vorhanden sein, was natürlich nicht der Fall war. Überlebt habe ich mit ein paar DM vom Arbeitsamt, kaum mehr als die damalige Sozialhilfe oder dem heutigen Hartz IV. Fahrtkosten musste ich zum Teil auch noch übernehmen.

Einen bezahlten Job als Dipl. Psychologe habe ich nie erhalten, weil es diese Jobs aus Kostengründen ganz einfach kaum noch gibt.

Unter Hartz IV wurde mir mit folgenden Ausbildungen:

Ausbildung als Gärtner, bei der Bundeswehr Ausbildung zum Sanitäter, Ausbildung als Erzieher mit fachgebundener Fachhochschulreife, Grundstudium Sozialarbeit mit fachgebundener Hochschulreife, Studium der Psychologie (Abschluss Dipl. Psychologe), Zusatzqualifikationen als systemischer Familientherapeut und Manager für Non – Profit – Organisationen + diverse Computerschulungen.

von der ARGE Hamburg folgende Tätigkeit angeboten:

In der Tätigkeit eines Sozialpädagogen die Wiedereingliederung von Obdachlosen in die Gesellschaft auf St. Pauli in Hamburg. Dafür notwendig ist mindestens eine Ausbildung als Sozialpädagoge / Sozialarbeiter für 6 bis 7 Semester an einer Fachhochschule. Meine Ausbildung liegt weit darüber.

Bezahlung für diese Tätigkeit: Regelsatz Hartz IV (359 Euro + angemessene Unterkunft)+ 1 Euro Aufwandsentschädigung, abzüglich jeglicher Unkosten wie Fahrtkosten und keinerlei Einzahlungen in die Sozialkassen wie Arbeitslosen und Rentenversicherung. Lediglich ein geringer Alibibeitrag für Langzeitarbeitslose, der pro Jahr eine monatliche Rente von 2,19 Euro einbringt.

Diese Tätigkeit sollte erzwungen werden, unter Sanktionsandrohungen die bis zum Hungertod und der Obdachlosigkeit gehen können. Mit Hilfe meiner damaligen Hausärztin konnte wenigstens diese knallharte Ausbeutung verhindert werden.

Siehe dazu auch:

http://hoelderlin.blog.de/2010/01/20/schreiben-ehemaligen-bundeskanzler-gerhard-schroeder-7791462/

4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. gelschter User
    Mrz 14, 2010 @ 14:46:49

    Ich hätte vor dem Arbeitsgericht geklagt.

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  2. gelschter User
    Mrz 14, 2010 @ 15:26:45

    Das ist unglaublich und in höchstem Maße verwerflich. Aber du weißt auch, dass du in dieser Beziehung leider kein Einzelfall bist – ich hasse solch ein System und bin mir bewußt, wie hilflos wir sind.
    Zur Zeit habe ich eine „Praktikantin“ bei mir, die hofft, übernommen zu werden. Davon kann jedoch keine Rede sein …. dies belastet mich mehr, als meine stressige Arbeit dies tut. Es ist wirklich zum Verzweifeln…..

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  3. Schnutzel
    Mrz 14, 2010 @ 16:04:18

    Ich habe auch schon in ähnlicher Form guten Willen gezeigt. Das Problem besteht ja darin, dass sehr bald schon, – wie Du hier auch aufzeigst –, der Eindruck entsteht, dass statt eines Fingers (bzw. eines Jahres) dann die ganze Hand genommen wird.

    Guter Wille wird halt eben bei Arbeitslosen nicht belohnt, sondern bestraft, indem geschlussfolgert wird:
    Macht er die eine miese Nummer mit, macht er auch die die nächste, noch sehr viel miesere Nummer mit…

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  4. Hoelderlin
    Mrz 14, 2010 @ 20:27:17

    Das Schlimme auch noch, dass diese Ausbeutung über die Bundesanstalt für Arbeit ablief. Nicht nur das man uns ausgebeutet hat, schon die Anwesenheit ohne jegliche Bezahlung ist ja schon knallharte Ausbeutung, nein, die haben auch noch geglaubt jegliche Ansprüche stellen zu können. Normalerweise hätte diese Ausbeutung sogar fast 2 Jahre dauern sollen. Die ersten 2 Monate habe ich sogar in einer Erziehungsberatungsstelle gearbeitet.

    Doch dort war man noch unverschämter, so dass ich dann die Einrichtung mit Rücksprache der Psychologen des Ausbildungsinstitutes verlassen habe.

    Auch bezüglich des Arbeitsgerichtes ist das so eine Sache, da das Arbeitsamt diese kostenlose Tätigkeit von uns verlangte. Und von was sollte ich den Gerichtskosten und Anwalt bezahlen.

    Oft musste ich mir noch anhören, dass ich ja dadurch eine weitere Ausbildung habe. Nur was nutzt das, wenn man anschließend, dann doch wieder arbeitslos auf der Straße sitzt.

    Der hier beschriebene Fall war besonders krass, aber eben nicht das erste und letzte mal, dass ich hochqualifiziert ohne jeden Cent als Praktikant über Monate zu arbeiten hatte. Das ist fast durchgängig so. Inzwischen reagiere ich aber massiv darauf und fahre dann mein Können grundsätzlich auf Null herunter. Denn eine Chance auf vor allem fair bezahlte Arbeit, daran glaube ich schon lange nicht mehr in diesem Verbrecherstaat.

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