„Faire Löhne, gute Arbeit, soziale Sicherheit" – Der DGB – Forderungskatalog als Offenbarungseid deutscher Gewerkschaftspolitik

„Faire Löhne, gute Arbeit, soziale Sicherheit“ – Der DGB – Forderungskatalog als Offenbarungseid deutscher Gewerkschaftspolitik

Dienstag | 26.04. | 19:00 Uhr | MTZ (Lindenallee 72 in Hamburg)

Der Deutsche Gewerkschaftsbund ruft seine Mitglieder wie alle Jahre wieder zu einer Demonstration zum 1. Mai. In seinem Aufruf dazu verweist er an oberster Stelle stolz darauf, dass ohne die von ihm mitorganisierten und -verantworteten Opfer der Lohnabhängigen Deutschland nicht so glänzend aus seiner „Finanz-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise“ herausgekommen wäre (http://www.dgb.de/tag-der-arbeit). Derselbe Aufruf zeichnet in Gestalt eines Forderungskatalogs ein brutales Bild von der Lage der Lohnabhängigen in der Bundesrepublik des 21. Jahrhunderts:

„Das ist das Mindeste _ faire Löhne, gute Arbeit, soziale Sicherheit „. Unter diese Forderungen fallen „Löhne, von denen man leben und eine Familie ernähren kann“, Arbeit, „die nicht krank macht“ und eine „mindestens existenzsichernde Rente“ in Aussicht stellt und Arbeitsplätze, die vor den Konjunkturen der kapitalistischen Plusmacherei „sicher“ sind.

Ein anständiger Lebensunterhalt für eine Arbeit, die nicht gleich Geist und Physis ruiniert, ein Auskommen im Alter garantiert und nicht mit fortgesetzen Unsicherheiten „am Arbeitsmarkt“ befrachtet ist, ist in dieser Republik offenbar nicht zu haben. Ein Stück Existenzsicherheit _ das gibt es für die lohnabhängige Manövriermasse des hierzulande ansässigen Unternehmerstandes nicht, der mit ihrer rentablen Ausnutzung so glänzend die Herausforderungen der internationalen Krisenkonkurrenz bestreitet.

Eine Arbeitervertretung, die offensiv mit den Opfern wirbt, die ihre Basis für das Gedeihen des Systems der Ausnutzung der Lohnarbeit erbracht hat, hat allerdings nicht vor, für die materiellen Interessen ihrer Leute einzutreten und ihre Forderungen mit der Drohung zu unterlegen, die Rechnungen der Gegenseite, von der Unternehmensbilanz bis zum Staatshaushalt, zu durchkreuzen und kaputt zu machen. Die Kampforganisation der Arbeiterklasse, die anders könnte, appelliert an die Obrigkeit, sie möge Gerechtigkeit walten lassen und auf die arbeitenden Menschen die Rücksicht üben, die dann noch möglich ist, wenn für die Bankenrettung, den Euro und den Aufschwung vorrangig alles Nötige getan ist. Und der Kampf, den sie androht, wenn die Regierung Merkel den verantwortungsvollen Anträgen auf etwas mehr Gerechtigkeit nicht nachkommt, spricht Bände: „In diesem Jahr haben die Wählerinnen und Wähler die Chance, die Karten in der Politik neu zu mischen. Wir werden der falschen Politik der schwarz-gelben Bundesregierung selbstbewusst die Stärke und Kraft der deutschen Gewerkschaftsbewegung entgegen setzen.“ (DGB-Chef Sommer, Jahresauftaktpressekonferenz 2011). Die trostlose Figur des Wählers, der alternative Führungsfiguren zur Herrschaft über sich beauftragt _ das setzt die Gewerkschaft der „Politik gegen die Menschen“ entgegen.

Dahin haben es die Arbeiter unter Führung des DGB also gebracht: zu ergiebig ausnutzbaren, für jeden Bedarf billig zur Verfügung stehenden Leistungserbringern für die Unternehmerschaft, die über eine Gewerkschaft verfügen, die erstens die Opfer organisiert und verantwortet, die das Kapital für seinen Aufschwung braucht, die zweitens das Jammern über den Undank der Bosse und der Regierenden übernimmt, die dabei drittens einen unbeirrt patriotischen Ton anschlägt und sie viertens mit ihren Unzufriedenheiten an die Wahlurnen verweist. Kein Zweifel, diese Arbeiterorganisation hat einiges zustande gebracht _ die Leistungsbilanz wirft nüchtern betrachtet allerdings einige Fragen auf:

Wie bringt es eine Arbeitervertretung, die immerhin einmal gegründet worden ist, damit ihre Mitglieder im Interessengegensatz von Lohnarbeit und Kapital nicht beständig unter die Räder kommen, dahin, die von ihr mitorganisierte Verschlechterung der Lebensbedingungen der Lohnabhängigen hierzulande als gewichtigstes Argument vor zu bringen, von den Herren in Politik und Wirtschaft mit etwas Rücksicht auf die Lebensumstände ihrer Klientel belohnt zu werden?

Was lässt sich über einen Arbeiterverein und den Widerspruch seines Kampfes lernen, wenn die Bittstellerei an die Herrschenden im Namen der Gerechtigkeit die Art und Weise ist, wie die Organisation der lohnabhängigen Mehrheit in diesem Lande für deren Interessen eintritt _ und allen Ernstes damit droht, ihre Basis an die Wahlurnen zu mobilisieren, um sich künftig von anderen Herren regieren zu lassen, wenn ihre Bittstellerei kein Gehör findet?
Was ist das für eine Basis, die sich mit einem Forderungskatalog auf die Straße bringen lässt, der sich wie ein einziger Offenbarungseid des über 60-jährigen Wirkens des Deutschen Gewerkschaftsbundes liest?
Alle nötigen Antworten über den Fehler des gewerkschaftlichen Kampfs und die Gründe, weshalb er nichts als die Anpassung der Lohnabhängigen an die Ansprüche von Staat und Kapital zum Inhalt hat, gibt es am 26 April im Magda Thürey Zentrum.

Referent F., Red. Gegenstandpunkt

Eine Veranstaltung der AA/NO:

Dienstag | 26.04. | 19:00 Uhr | MTZ (Lindenallee 72 in Hamburg)

HERAUS ZUM REVOLUTIONÄREN 1. Mai 2011:

http://ww.revomai.de/hamburg/veranstaltungen-hh/114-lohn

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Volkmarml
    Apr 24, 2011 @ 05:33:46

    Da bin ich mal gespannt, was am 26. zu Tage tritt?!
    Volkmar

    Gefällt mir

    Antwort

  2. Hoelderlin
    Apr 24, 2011 @ 08:19:31

    Na, da will ich doch mal hoffen, dass es bezüglich DGB, dem Arbeiterverräter zu einer Generalabrechnung kommt. Das ist schon lange überfällig.

    Wenn ich es schaffe werde ich diesen Termin wohl wahrnehmen und kurz im blog berichten, wenn Interesse bestehen sollte.

    LG Hoelderlin

    Gefällt mir

    Antwort

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