"White Box" von Susanne Schulz – Was passiert mit Menschen, denen ein Zimmer zugeschlossen wurde?

Aktuell im Kino angelaufen

„White Box“ von Susanne Schulz

Was passiert mit Menschen, denen ein Zimmer zugeschlossen wurde? In Löbau-Ost, wo viele Hartz-IV-Empfänger leben, ist genau das geschehen. Filmemacherin Susanne Schulz hat sich an die Menschen dort angenähert. Bei DOK Leipzig hatte ihr vom MDR geförderter Film „White Box“ Premiere.
Viele der Bewohner in Löbau-Ost erhalten Hartz IV. Damit sie in ihren – eigentlich zu großen Wohnungen – bleiben dürfen, wurde ihnen kurzerhand ein Zimmer zugeschlossen. Aber was macht das mit den Menschen? Von dieser Frage angetrieben machte sich Filmemacherin Susanne Schulz auf den Weg zu Menschen, die davon betroffen sind.

Löbau-Ost ist eine kleine Plattenbau-Siedlung. Im Volksmund wird sie „Klein-Moskau“ genannt, denn viele Spätaussiedler aus Russland leben hier. Julia ist eine davon. Sie ist ein typischer Teenager, liebt Musik und hat große Träume. Anfangs hatte sie in ihrer Wohnuung noch ein eigenes Zimmer. Das wurde – wie so viele Kinderzimmer in diesem Viertel – inzwischen verschlossen. Jetzt teilt sich Julia zwei Zimmer mit ihrer Mutter: in einem Zimmer wohnen sie, in dem anderen schlafen sie zusammen. Dabei wünscht sie sich es ganz anders:

„Ein Mensch soll eine eigene Privatsphäre haben, besonders ein Kind und später ein Jugendlicher. Das war schon irgendwie komisch. Meine Mutti kann auch nicht immer mit mir wohnen. Ich bin doch auch schon groß und wir haben auch eigene Probleme. Aber wenn man soviel Geld kriegt, dass es gerade mal für zwei Zimmer ausreicht, dann kann man sich kein drittes Zimmer leisten.“

„Wir hatten uns das auch mal anders vorgestellt“

Auch ältere Menschen mussten ein Zimmer hergeben. Einer war beim Militär, ein anderer Professor. Wie verkraften sie den Rückfall aus einer gesicherten Existenz in ein Leben ohne finanzielle Mittel, in dem ein vorhandenes Zimmer nicht mehr genutzt werden darf.

Behutsam und mit viel Feingefühl nähert sich Susanne Schulz diesen Menschen an und entdeckt unterschiedliche Herangehensweisen: Während einer das Zuschließen der Zimmer rational begründet und selbst befürwortet hat, ist anderen das Gefühl des Verlusts und der Demütigung deutlich anzumerken.

Ob Rentner, Arbeitsuchender oder Spätaussiedler: Die Menschen in „White Box“ haben ihre Wurzeln und ihre Heimat verloren und versuchen nun, das Beste aus der Realität zu machen. Julia, die Spätaussiedlerin, singt und tanzt. Der ehemalige Soldat engagiert sich in einer Arbeitslosenvertretung. Der Professor unterrichtet und schreibt noch immer Lehrbücher. Ihre Motive sind verschieden, aber sie vereinen sich in der Aussage: „Wir haben uns das auch mal anders vorgestellt.“

„Ein Satz fiel mir plötzlich ein als ich vor der Sparkasse in Löbau stand: ‚Wir hatten uns das auch mal anders vorgestellt.“ Ich musste mir den Satz gleich aufschreiben, denn er schien mir in dem Moment als die einfachste Wahrheit, die ich hier gefunden hatte: ‚Wir hatten uns das auch mal anders vorgestellt.'“

Filmemacherin Susanne Schulz

Interview mit „White Box“-Regisseurin Susanne Schulz

http://www.mdr.de/dok-leipzig/7786670.html

Trailer zum Film:

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Volkmarml
    Mai 06, 2011 @ 08:58:13

    Oh ja, welch bittere Wahrheit!

    Gefällt mir

    Antwort

  2. Einer von 6_8 Mrd
    Mai 06, 2011 @ 11:07:47

    Die Perversion des Systems seiner Macher und Mitläufer kennt keine Grenzen.

    Die eigene Qual, durch die Qual aller hervorgerufen, ist unermesslich und nicht beschreibbar.

    Wie soll ein Leben als empathischer Mensch in so einer Gesellschaft möglich sein? Ich bin zwar nicht religiös, aber mein erster spontaner Gedanke beim Lesen des Artikels war: „Gnade uns Gott“.

    Ich fürchte aber, dass dieser Gedanke ein hoffnungs- loser ist und es keine Gnade von wem, wo oder was auch immer geben wird.

    Ich schau mich um und sehe es fängt an meine
    Kapazitäten zu überlasten. Es verlassen mich die Kräfte. Ich finde zu wenig ähnlich verstehende Menschen.

    Dafür bin ich hier? Einer von 6,8 Mrd..

    Dafür sind WIR Hier?

    Diesen winzigen Hauch einer Zeit, die unser Leben andauert??

    Dafür???

    Auch wenn ich nur einer von 6,8 Mrd. Menschen bin, so möchte ich hier die Gelegenheit nutzen allen Bloggern die sich für MENSCHLICHKEIT & MENSCHEN
    einsetzen, für ihre Arbeit zu danken und ihnen meinen RESPEKT für ihre Kraft, Ausdauer, moralischen Ansichten, „Kampfgeist“ &&& aussprechen.
    Ich hoffe zutiefst, dass IHR Erfolg habt und nicht zwischen den „Mühlensteinen“, die wohl eher zu Hurrikanen geworden sind aufgerieben werdet.

    Ihr seid „Das letzte Aufgebot“.

    Ich danke Euch und bin froh, dass es Euch gibt.

    Einer von 6,8 Mrd.

    Gefällt mir

    Antwort

  3. Hoelderlin
    Mai 06, 2011 @ 19:18:14

    Hallo Einer von 6,8 MRD,

    solange man uns die Möglichkeiten nicht nimmt oder wir krank oder zu klapprig werden, weil wir einfach zu alt geworden sind und es Zeit wird, dass wir gehen, bleiben wir da und werden bis zum letzten Atemzug kämpfen.

    Was sollten wir auch anderes tun? Wie sollten wir den nachfolgenden Generationen gegenüber treten, wenn sie eines Tages fragen werden: „Was hast Du, habt ihr getan um dieses Unrecht nicht zu zulassen.“

    Dann möchte ich der nachfolgenden Generation nicht nur meine Hoelderlin.blog.de vorweisen.

    Und eines Tage, wenn ich so weit bin, dass ich die Augen für immer schließen werde, möchte ich sagen können, dass ich mein mir möglichstes getan habe. Dann kann ich in Ruhe meine Augen schließen und sagen, jetzt seid ihr dran, die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

    LG Hoelderlin

    Gefällt mir

    Antwort

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