Handfester Beistand – Ein Bericht von den ARGEN im Zwickauer Land

Handfester Beistand – Ein Bericht von den ARGEN im Zwickauer Land

Von A. Pianski

Beistand wird jetzt in Zwickau mit Gewalt durch einen Security-Rambo und mit Erpressung durch den Geschäftsführer verhindert. Was geschah?

Wie bei der Arbeitsloseninitiative „Gegenwind“ üblich, ist donnerstags verteilen von Flyern vor einem Jobcenter angesagt. Diesmal traf es das Jobcenter Zwickau an der Werdauer Straße. Außerdem waren 3 Beistandsbesuche geplant, von dem einer einen sehr außergewöhnlichen Verlauf nehmen sollte. Bei dem Hilfebedürftigen wurden laufend Aufrechnungen durchgeführt, bei denen niemand mehr durchsah. Zuletzt wurden einfach 160 € einbehalten, obwohl er in der Anhörung der Aufrechnung widersprochen und um eine Ratenzahlung gebeten hat. Jetzt stand er quasi mittellos da. Um Aufklärung bemüht, und Bares zu holen, sind wir in das Jobcenter gegangen.

Die Bearbeiterin, Frau Ewert, sah sich nicht in der Lage, etwas zu unternehmen. Sie habe alles richtig gemacht. Wenn das dem Hilfebedürftigen nicht passe, kann er ja Widerspruch einlegen. Wovon er zwischenzeitlich lebt, schien ihr offenbar am Arsch vorbeizugehen. Auch die Bitte von mir, die Bescheide noch einmal nach zu schauen, lehnte sie mit dem Hinweis auf die Widerspruchsmöglichkeit ab. Also: Die nächste Möglichkeit in Angriff nehmen und zur Teamleiterin gehen. Leider war die Teamleiterin, Frau Scheibner, nicht gleich auffindbar, sodass wir warten mussten.

In der Zwischenzeit meldete sich ein weiterer Hilfebedürftiger, mit dem ich als Beistand mitging. Er benötigte nur ein paar Auskünfte, sodass die Angelegenheit in fünf Minuten erledigt war. In der Zwischenzeit war aber Frau Scheibner wieder aufgetaucht und unsere Moni war mit dem Hilfebedürftigen schon in ihrem Zimmer. Ein weiteres Mitglied von „Gegenwind“ sagte mir, dass er mitgehen wollte und der Security-Mitarbeiter, Herr Wolff, ihn daran gehindert hat. In der Tat stand der Mann wie ein Andreaskreuz im Türrahmen zum Flur, wo sich das Zimmer von Frau Scheibner befand. Nun ist es ja so, dass Beistände nicht so einfach abgewiesen werden dürfen und von einem Möchtegern-Wichtig-Waszusagenhabenden schon gar nicht.

Ich wollte an dem Herrn vorbei in das Zimmer von Frau Scheibner gehen. Herr Wolff packte mich in seiner Dienstbeflissenheit. Da ich mich von keinem in dieser Art und Weise angreifen und mich auch nicht an meinem Recht hindern lasse, entstand ein kleiner Ringkampf, in dessen Folge wir zu Boden gingen.

Nun war der Tumult perfekt. Alles kam gestürmt, um selbst Augenschein zu nehmen, unter anderem waren auch die Standortleiterin, Frau Petra Schürer, und der neue Geschäftsführer, Herr Mario Müller, herbeigeeilt. Anstatt sich um den Vorfall zu kümmern und dem eigenmächtigen und gewaltsamem Verhindern von Beistand durch Herrn Wolff eine deutliche Absage zu erteilen, schien das die Führungsetage wenig zu interessieren. Im Gegenteil, Frau Petra Schürer beschuldigte uns, wir würden hier ständig und in letzter Zeit verstärkt als Beistand auftauchen und nichts weiter als Unruhe schaffen. So ginge das nicht! Da sich die Gesellschaft mittlerweile wieder in das Zimmer der Teamleiterin zurückgezogen hatte, wollte auch ich nun endlich meinen Beistand wahrnehmen und ging ebenfalls hinein.

Nun redete Frau Schürer gebetsmühlenartig auf mich ein, ich solle rausgehen, da ich nicht erwünscht wäre. Dabei kam klar zum Ausdruck, dass sie persönlich etwas gegen mich hat. Da ich ihr das Kompliment zurück gab und den Raum doch nicht verlies, versuchte sie es jetzt beim Hilfebedürftigen. Schauen Sie mal, wir wollen ihnen doch nur helfen, aber das geht nur, wenn hier Ruhe herrscht und der Herr Pianski draußen bleibt. Zum Glück ließ sich der Hilfebedürftige nicht auf so einen primitiven Versuch der Überredung ein und blieb standhaft. Von meiner Seite aus hat Ruhe geherrscht, ich habe nur zu den Aufforderungen zu gehen, Nein gesagt. Aufregung und Unruhe gingen allein von Frau Schürer aus, die ständig auf mich einredete, wie überhaupt der ganze Tumult vom Jobcenter und seinen Angestellten ausging. Denn hätte Frau Ewert sich hingesetzt und die Bescheide noch einmal zur Hand genommen und angesichts der Mittellosigkeit des Hilfebedürftigen eine Barzahlung angeboten, wäre eigentlich nichts passiert.

Schließlich bot ich auch Frau Schürer ein paar Mal an, mir doch Hausverbot zu erteilen, aber die Gelegenheit wollte sie nicht wahrnehmen. Vermutlich wollte sie so offensichtlich das Recht nicht beugen. Wie mir Moni später mitteilte, hatte die Teamleiterin, Frau Scheibner, beim Durchschauen der Unterlagen erkannt, dass ihre Mitarbeiterin, Frau Ewert, den Hilfebedürftigen vermutlich beschissen hat (wir rechnen auch damit, dass sich der größte Teil der Forderungen in Luft auflöst).

Nun wurden wir alle nach draußen gebeten, denn die Herrschaften mussten wohl ihre Strategie besprechen. Was jetzt kam, hat mich in der Tat sprachlos gemacht und das passiert selten. War der Ringkampf noch locker zu sehen, hat der Geschäftsführer, Herr Mario Müller, seines Zeichens Volljurist, doch den Hilfebedürftigen mit der Aufforderung erpresst, wenn ich nicht draußen bleibe, würde das Ganze an der Stelle abgebrochen – was bedeutet hätte, dass der Hilfebedürftige ohne Geld dagestanden hätte. Dies bestätigt eigentlich, die ganze Arbeitsweise der Jobcenter, und zwar vom kleinen Sachbearbeiter bis in die Führungsetage: Um die Ziele zu erreichen, werden jegliche Mittel genutzt.

Da das Geld für den Hilfebedürftigen existentiell war, blieb ich draußen. Er bekam eine Barauszahlung in Höhe von 50 € und seine Bescheide sollen nun am Freitag alle geprüft werden, sodass er am Montag Bescheid bekommt. Stellt sich die Frage, ob das ohne unseren Einsatz so gelaufen wäre? Sicherlich nicht. Es wäre Widerspruch eingelegt worden, der nach 3 Monaten entschieden worden wäre und danach wäre geklagt worden. In der Zwischenzeit hätte man ja den Kitt aus den Fenstern fressen können, so man das Glück gehabt hätte, dass es noch alte Holzfenster sind.

Der Herr Wolff wurde von uns angezeigt. Die Polizei wurde gerufen und Anzeige erstattet. Zwei Zeugen standen auch zur Verfügung. In diesem Zusammenhang möchte ich dem jungen Mann danken, der extra gewartet hat. Verwundert waren die Beamten, weil einmal nicht das Jobcenter nach den Ordnungshütern gerufen hat, sondern die Gegenseite.

Was bleibt, ist eigentlich die traurige Gewissheit, dass Normalität schon lange aufgehört hat, zu existieren und die knallharte Verfolgung von Arbeitslosen nur noch eine Frage der Zeit ist. Ein großer Schritt in diese Richtung ist schon getan. Eine zweite Erkenntnis könnte lauten, dass man niemals ohne Pfefferspray ins Jobcenter gehen sollte, man weiß nie, ob man körperlich angegriffen wird.

Siehe: http://www.ali-gegenwind.de/

Entnommen aus Artikel Eins
Die Würde ist unantastbar

Artikel Eins
http://www.artikel-eins.com

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