PlusMinus – ARD – Arbeitslose: Viel zu häufig nur Leiharbeit statt Dauerjob

PlusMinus – ARD – Arbeitslose: Viel zu häufig nur Leiharbeit statt Dauerjob

Als die Bundesagentur für Arbeit Anfang Januar die neuesten Arbeitsmarktzahlen präsentierte, sah man nur strahlende Gesichter: Geringste Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren, die deutsche Wirtschaft boomt weiter! Vor allem aber boomt eine Branche: Die Zeit- oder Leiharbeit. Mehr als 900.000 Menschen in Deutschland sind inzwischen über Verleihfirmen beschäftigt – neuer Rekord, und das liegt nicht etwa daran, dass es keine festen Jobs geben würde.

Zeitarbeit statt fester Stelle

Oliver Neumann aus Freiburg, ein Werkzeugmacher mit Berufserfahrung ist monatelang auf der Suche nach einem Job.
Die Firma „Kranservice Schaller“ in Freiburg ist monatelang auf der Suche nach einem festen Mitarbeiter. Beide wenden sich an die Agentur für Arbeit. Ihre Suche könnte eigentlich zu Ende sein, doch es kommt anders.
Bei der Arbeitsagentur bekommt weder der 34-Jährige einen festen Job, noch die Firma den gesuchten Mitarbeiter.

Erfolg mit Direkt-Bewerbung

Stattdessen werden Oliver Neumann nur Zeitarbeitsangebote übermittelt. Er geht zunächst in Zeitarbeit, doch dann macht er sich selbst auf die Suche nach Arbeit. Zum Glück, denn er selbst findet den Job bei „Kranservice Schaller“ – unbefristet und ordentlich bezahlt. Hätte er sich auf die Arbeitsagentur verlassen, wäre er wohl noch heute in Leiharbeit. Er müsste mehr arbeiten und würde weniger Geld verdienen.

Verschönerte Statistik

Obwohl Facharbeiter dringend gesucht werden, schicken die Arbeitsagenturen viele direkt in Leiharbeit. Das hat System, sagen Arbeitsmarkt-Experten wie Prof. Stefan Sell, Institut für Bildungs- und Sozialpolitik, FH Koblenz:

„Die Jobcenter haben einen Riesenvorteil bei der Vermittlung in Leiharbeit. Sie können richtig große Zahlen produzieren. Wenn da viele Leute in Leiharbeit übergehen, zählt das alles als Vermittlung und Integration in Arbeit. Daran werden die gemessen. Jetzt können die mit relativ wenig Arbeit die Arbeitslosen integrieren in Arbeit. Auch wenn die nach zwei bis drei Monaten erneut wieder vor der Tür stehen des Jobcenters.“

Leiharbeit kostet mehrfach

Die Zusammenarbeit zwischen öffentlich finanzierten Arbeitsagenturen und privaten Zeitarbeitsfirmen ist einfach: Die Zeitarbeitsfirmen melden Stellenangebote. Dafür suchen und schicken die Agenturen ihnen kostenlos passende Bewerber. Die Zeitarbeitsfirmen vermitteln die Arbeitsuchenden weiter an Unternehmen – mit ordentlichem Gewinn. Denn von jedem Lohn eines Zeitarbeiters geht ein erheblicher Teil an die Verleihfirma.
Hinzu kommt: Viele Zeitarbeiter verdienen so wenig, dass sie vom Staat Lohnzuschüsse bekommen müssen.

Zeitarbeit wie andere Arbeit?

Doch warum helfen die Arbeitsagenturen dabei? Bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg sieht man darin kein Problem. Dort gelten Zeitarbeitsfirmen als Arbeitgeber wie alle anderen auch. Zeitarbeit werde zwar nicht bevorzugt, aber auch nicht benachteiligt.
Wirklich? Keine Bevorzugung der Zeitarbeit? Tatsächlich sitzen Zeitarbeitsfirmen oft mit in den Gebäuden der Arbeitsagenturen. Die Agenturen veranstalten auch spezielle Zeitarbeiter-Messen. Stellen sich Arbeitssuchende dort nicht vor, drohen ihnen Sanktionen. Und: In Broschüren macht die Arbeitsagentur fleißig Werbung für Zeitarbeit. Sie sei „ein Markt mit Zukunft“. Baue „Brücken in die Berufswelt“. Brücken, die die Arbeitsagenturen eigentlich selbst bauen sollten.
Zeitarbeiter auf Dauer

Auch Karl Koch aus Bielefeld ist frustriert. Seit zwölf Jahren hangelt sich der Schlosser von Zeitarbeitsstelle zu Zeitarbeitsstelle.
In seiner Laufbahn als Zeitarbeiter hat Karl Koch eins gelernt: Die Zeitarbeitsfirmen spielen die Arbeitsagenturen längst an die Wand. Oftmals überschwemmen sie diese mit Stellenangeboten. Melden mehr offene Stellen als es tatsächlich gibt. Mit den Bewerbern der Arbeitsagentur, die sie nicht gleich weitervermitteln, füllen sie eigene Bewerberpools und geben daraus im Bedarfsfall Bewerber weiter, ehe die Jobcenter reagieren können.

Offiziell verbietet das die Arbeitsagentur, doch Kontrollen sind schwierig. Und: Die Arbeitsmarktstatistik wird dadurch geschönt.
Normale Arbeitsstellen bevorzugen

Experten fordern: Das muss ein Ende haben. Arbeitsagenturen und Jobcenter müssten bevorzugt normale Arbeit vermitteln und nur als Notlösung auf Leiharbeit zurückgreifen. Heute sei die Leiharbeit an erster Stelle. Das müsse sich ändern, auch um unterwertige Beschäftigung zu vermeiden.
Doch so lange Leiharbeit in der Statistik genauso zählt wie feste Jobs, wird sich in den Arbeitsagenturen wohl nicht viel ändern.

Raus aus der Arbeitslosigkeit

Der Werkzeugmacher Oliver Neumann rät Arbeitslosen, sich selbst zu bewerben und nach Stellen zu suchen.

Fragt sich nur, wozu es dann noch die Arbeitsagenturen braucht, in die Jahr für Jahr Milliarden an öffentlichen Geldern fließen.

Weitere Informationen unter:

http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,4soq3ffsdihtr5p7~cm.asp

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. chris2412
    Feb 04, 2012 @ 07:45:33

    aaach, wie ich dieses Wort „Arbeistlose“ doch hasse!!!
    Auch das hat sich in der Gesellschaft schon so festgefahren,wie auch die Bezeichnung H4:-(

    Für mich sind das immer noch „Erwerbslose und suchende“!

    Irgendwie beinhaltet dieses Wort bei mir immer einen bitteren Beigeschmack-wie man auch im Volksmund so sagt!

    Bist Du etwa Arbeitslos? Nein…Arbeit gibt es immer,egal was man tut und darauf lege ich nun mal großen Wert,dass das nicht immer alles so verallgemeinert wird im Bezug auf „Erwerbslosigkeit“!!!

    Da bin ich ganz pingelig…lachlach:)

    Ps.: Das ist natürlich jetzt hier nicht auf dich persönlich gemünzt,mein lieber Blogfreud..M….:)

    Herzliche und wärmende Grüße zu dir von

    chris

    Gefällt mir

    Antwort

  2. Hoelderlin
    Feb 04, 2012 @ 20:33:18

    Liebe Chris,

    das weis ich doch, wie Du das meinst. Wir kennen uns doch bald 2 Jahre inklusiver gemeinsamer Demo.

    Ansonsten auch Dir ein ganz warmen und sonnigen Gruß aus Hamburg

    Hoelderlin

    Gefällt mir

    Antwort

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