Security-Attacke im Jobcenter Köln-Kalk

Security-Attacke im Jobcenter Köln-Kalk

6. Mai 2012 – 22:30 – KEA

Am 3. Mai 2012 kam es zu einem körperlichen Übergriff dreier Security-Mitarbeiter gegenüber eines sogenannten „Kunden“ des Jobcenters Köln-Kalk. Wieder musste die Polizei eingreifen. Der Vorfall blieb nicht unbeobachtet.

Womöglich wird sich im Falle eines gerichtlichen Prozesses – gegen wen auch immer – erweisen, was das Jobcenter alles falsch gemacht hat. Das Opfer der Attacke hat Anzeige erstattet, mehrere Zeugen können angeblich seine Version des Hergangs bestätigen und wurden von der Polizei erfasst. Unseren bisherigen Recherchen nach hätte es nicht zur Eskalation kommen müssen, wenn das Jobcenter sich einfach an Recht und Gesetz gehalten hätte.

Der Betroffene, der den KEAs namentlich bekannt ist, da er sich noch am selben Tag bei uns meldete und ein Gedächtnisprotokoll anfertigen ließ, reihte sich nach 9:00 Uhr in die Schlange der wartenden Erwerbslosen. Im Jobcenter Kalk zieht man nicht einfach eine Wartemarke. Seit Neuestem muss man sich hier auch dafür erst anstellen und auf die gönnerhafte Entscheidung einer Mitarbeiterin hoffen. Ralf B. (Name geändert) hoffte an jenem Donnerstag vergeblich.

Der alleinerziehende Vater hatte, wie viele andere Wartende auch, zum Monatsanfang kein Geld bekommen und wollte nachhaken. Am Schalter sollte er sich mit einem Pass oder Reisepass ausweisen, was er allerdings nicht konnte. Aber er hatte einen Führerschein mit Lichtbild sowie den Ausweis seines anwesenden Kindes. Die Identität war also feststellbar. Ralf B. hätte auch bzw. gerade wegen der existenziellen Notlage seiner Kinder (ohne Geld) nicht zurückgewiesen werden dürfen. Dies ist sowohl im Sozialgesetzbuch als auch in der aktuellen Rechtsprechung ganz klar geregelt. Die Sachbearbeiterin in der Eingangszone aber verweigerte die Aushändigung einer Wartemarke.

Das Verhalten des Jobcenters brachte Ralf B. offenbar auf die Palme. Er räumt ein, dass er verbal möglicherweise ausfallend reagiert haben könnte. Er war wütend, aber drohte nicht mit körperlicher Gewalt. Als die Security-Mitarbeiter sich näherten, soll er diese darauf hingewiesen haben, die Polizei rufen zu können. Dies ist dann auch erfolgt und man hätte ihr Eintreffen einfach abwarten können. Aber zuvor wurde Ralf B. – seiner Aussage nach – von den drei Mitarbeitern angegriffen. Er sprach davon, an den Haaren gezogen, am Kehlkopf gewürgt und gegen die Beine getreten worden zu sein. Wegen Schmerzen am Kehlkopf begab sich Ralf B. zur Untersuchung in ein Krankenhaus. Seiner Aussage nach leistete er keine Gegenwehr, „Ich dachte die ganze Zeit an meine Kinder und sagte mir: Bleib ruhig!“

Vor dem Gebäude trafen sich während des Vorfalls Mitglieder der Linken Erwerbslosen Organisation (L.E.O.) mit Abgeordneten und Kandidaten der Partei Die Linke zu einer Kundgebung. Als sie dem Betroffenen beistehen bzw. den Vorfall prüfen wollten, versuchte sie der Sicherheitsdienst abzublocken, was aber nicht gelang. Aus den Reihen der Teilnehmer der Linkspartei haben wir die Aussage eines Zeugens, der gehört haben will, wie ein (fotografisch und namentlich zuordbarer) Security-Mitarbeiter Ralf B. mit den Worten drohte: „Man trifft sich auch mal außerhalb des Gebäudes.“

Zeitgleich mit unserer Veröffentlichung des Vorfalls bitten Die KEAs das Jobcenter Köln per Presseanfrage um Stellungnahme.

Zu vorangegangenen Auseinandersetzungen im Jobcenter Kalk haben wir einePDF-Sammlung (Reader) zusammengestellt, die schon auf der diesjährigen DGB-Kundgebung am 1. Mai auf dem Heumarkt in Köln bei den zahlreichen Besuchern des KEA-Standes auf großes Interesse gestoßen ist.

PDF – Sammlung:

Klicke, um auf reader-jc-kalk.pdf zuzugreifen

Dazu folgender Hinweis:

Am Samstag den 12.05.20.12 werden wir auf jeden Fall bei WakeNews darüber berichten.

Kölner Erwerbslosen in Aktion (KEAs):

http://www.die-keas.org/node/514

Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Nicky
    Mai 18, 2012 @ 11:52:07

    Ich bin erschüttert-was muß denn noch alles passieren und das noch vor den Augen der Kinder.
    Diese Agenturen müssen alle geschlossen werden-wo haben diese Menschen denn noch Rechte und alle Mitarbeiter in den Agenturen die das mitmachen sind in meinen Augen nicht besser als die, dei im Krieg alles mitgemacht haben.

    Liken

    Antworten

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