ARMGESPEIST – 20 Jahre Tafeln sind genug!!! – Berlin am 26.04.2013

ARMGESPEIST – 20 Jahre Tafeln sind genug!!! – Berlin am 26.04.2013

taz: Herr Grottian, das „Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln“ macht gegen die Armenspeisungen mobil. Was genau ist falsch daran, hungrigen Menschen Essen anzubieten?

Peter Grottian: Daran ist nichts falsch. Unsere Kritik ist eine Gesellschaftskritik. Wir fragen, warum die Tafeln blühen, aber der Sozialstaat sich tot stellt.

Sie wollen die Tafeln für gescheiterte Sozialpolitik verantwortlich machen?

Das Scheitern ist bei der Politik zu suchen, die die Menschen, die Hartz IV brauchen, nicht ausreichend versorgt — das ist ja der Grund, warum die Tafeln zugenommen haben. Gleichzeitig werden diejenigen, die sich engagieren, von der Politik instrumentalisiert.

Und jetzt kritisieren Sie diejenigen, die auf einen Missstand reagieren?

Wir kritisieren nicht die 500.000 Menschen, die sich engagieren, sondern eine Gesellschaft, die es zulässt, dass es überhaupt zu dieser Form der Armenspeisung kommt.

Auf der Homepage heißt es aber, dass Tafeln die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben.

Die Entlastung des Sozialstaats führt dazu, dass diese Form der Armenspeisung zum gesellschaftlichen Prinzip wird. Das kann man am Beispiel von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen gut erklären: Einerseits ist sie lächelnde Vollstreckerin von schäbiger Hartz-IV-Disziplinierung und gleichzeitig schwingt sie die Suppenkelle in den Tafeln, um sich zu inszenieren.

Sie wollen also die Tafeln abschaffen, damit die Politik wieder verantwortlich handelt?

Es geht darum, eine Grundsicherung zu institutionalisieren, die Tafeln weitgehend überflüssig macht. Wie können die politisch Verantwortlichen angesichts von 1,5 Millionen Menschen, die auf Tafeln angewiesen sind, ernsthaft sagen, dass sich am Sozialstaat nichts ändern muss? Das Verhältnis von Sozialstaat zu Armut ist völlig verdreht. Die Vertafelung der Gesellschaft ist eine weitere Form von Demütigung.

Glauben Sie, dass Menschen, die auf die Tafeln angewiesen sind, diese Ansicht teilen?

Fragen Sie die Menschen, ob sie weiter zur Tafeln gehen wollen oder ob sie lieber bessere Eckregelsätze hätten, mit denen sie selbst entscheiden können, was sie essen wollen.

Was muss sich konkret ändern?

Es müsste zunächst eine menschenrechtsgemäße Grundsicherung geben, eine Summe von 1.000 Euro wäre da angemessen und auch finanzierbar. Anderseits geht es auch um selbstermächtigende Arbeitsplätze.

Was bedeutet das?

Es geht um die Frage, was kann und will eine Mensch in einer Gesellschaft leisten. Es ist ja Arbeit zu Hauf da, die getan werden muss, aber für die es angeblich keine Gelder gibt.

Zum Beispiel …

… im ganzen Non-Profit-Sektor.

Wie soll das finanziert werden?

Ein gesellschaftlich sinnvoller Arbeitsplatz, der vielleicht 10.000 bis 15.000 Euro im Jahr kostet, ist möglicherweise sinnvoller als Hartz IV. Wenn man sich dieser Debatte ernsthaft stellt, dann kommt man zu dem Schluss, dass eine geringere Zahl an Tafeln angesagt ist.

„Armgespeist“ Podiumsdiskussion Teil 1

„Armgespeist“ Podiumsdiskussion Teil 2

„Armgespeist“ Podiumsdiskussion Teil 3

Stefan Selke liest aus seinem neuen Buch „Schamland“

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Peter 59
    Mai 02, 2013 @ 10:44:53

    Ist schon ganz schön traurig. In der drittreichsten Industrienation der Erde so ein Elend. Wenn Japan und Amiland wirtschaftlich absacken dürfte Deutschland das reichste Land der Erde sein. Und die Politiker gehen mit 10.000 Euro Gage nach Hause monatlich. Bei so einem Gehalt wird man automatisch elitär. Für die sind wir doch minderwertig.
    Die gehirngewaschene Masse glaubt, so eine Tafel ist ein gedeckter Tortentisch und hacken noch auf die Leistungsberechtigten ein, aber in Wirklichkeit ist es verwelktes Gemüse, Abfälle von Läden und Restaurants wovon du zuhause die Hälfte von dem Dreck wegschmeißt weil es auch viele Zwiebelstangen und Radieschen sind. Für eine Woche gibt es zwei dünne, kurze Knacker und einen Joghurt.
    Ich persönlich hätte Schwierigkeiten mit dem vergifteten Fraß, da ich grosse Unmengen Gemüse verdrücken müsste um satt zu werden, und auf diese Unmengen Pestizide habe ich keine Lust. Und bei dieser Eiweisverteilung ist es dann schon egal ob du Vegetarier bist oder nicht.
    Manche fahren mit ihren Autos vor und stecken den vollgepackten Trolli in den Kofferraum und denken sie hätten das grosse Schnäppchen gemacht.
    Deutschland, das Land der Dichter und Denker.

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  2. Hoelderlin
    Mai 07, 2013 @ 17:08:41

    Anmerkung des Blogautors:

    Ungefragt ist Werbung auf diesem Blog nicht gestattet und wird deshalb vom Autor sofort gelöscht.

    Hoelderlin

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