Bewährungsproben für die Unterschicht? – Soziale Folgen aktivierender Arbeitsmarktpolitik

Bewährungsproben für die Unterschicht? – Soziale Folgen aktivierender Arbeitsmarktpolitik

Klaus Dörre, Karin Scherschel, Melanie Booth, Tine Haubner,
Kai Marquardsen, Karen Schierhorn

2013, kart., 423 Seiten, 13 s/w Grafiken;
ISBN 978-3-593-39797-9
Erscheinungstermin / Sperrfrist: 16. Mai 2013
Auch als E-Book erhältlich.

Zehn Jahre Hartz IV – Wie erleben die Betroffenen die Umsetzung der Arbeitsmarktreformen, die im Elitendiskurs als Erfolg gefeiert werden? Die empirische Studie des Soziologen Klaus Dörre und seines Autorenteams zeigt: Das neue Arbeitsmarktregime inszeniert die Erwerbslosigkeit als Wettbewerb, in dem die Starken den Schwachen diktieren, welches Leben sie zu führen haben.

Angesichts sinkender Arbeitslosenzahlen gelten die Hartz-Reformen als Erfolgsmodell. Nach vorherrschender Meinung haben vor allem die Kürzung und die Begrenzung der Dauer von Leistungsbezügen einen Mentalitätswechsel ermöglicht, der entscheidend zum Rückgang der Erwerbslosigkeit beigetragen hat. Die vermeintliche Passivmentalität von Langzeitarbeitslosen hatte in der sogenannten Unterschichtendebatte das Bild vom arbeitsunwilligen Erwerbslosen erzeugt, der es sich in der Hängematte des Wohlfahrtsstaates auf Kosten anderer bequem macht.

Die empirische Studie von Klaus Dörre, Karin Scherschel, Melanie Booth, Tine Haubner, Kai Marquardsen und Karen Schierhorn zeigt, dass dieses Bild eine politisch konstruierte Fiktion ist, die dazu dient, die Disziplinierungsinstrumente der Hartz IV-Gesetze zu legitimieren. Die Autoren untersuchen Erwerbsorientierungen und Handlungsstrategien der Betroffenen in Ost- und Westdeutschland, und bringen damit die eigensinnigen „Kunden“ der Arbeitsverwaltungen, die Erwerbslosen und prekär Beschäftigten selbst in die Debatte zurück. Dabei zeigt sich, dass von fehlendem Aufstiegswillen und mangelnder Arbeitsmoral keine Rede sein kann.

Stattdessen erzeugt Hartz IV ein Wettbewerbssystem: Die Erwerbslosigkeit wird zur ständigen Bewährungsprobe, in der sich entscheidet, ob eine Person weiterhin respektiertes Mitglied der Gesellschaft ist, oder ob sie sich dauerhaft mit einem Status arrangieren muss, der unterhalb sozialer Sicherheit und Respektabilität angesiedelt ist, und sich so für Stigmatisierungen durch die „Mehrheitsgesellschaft“ eignet. Auf Seiten der Leistungsempfänger provoziert das eigenwillige Überlebensstrategien, die deutlich machen, dass die Mehrzahl der Erwerbslosen nicht wegen, sondern trotz strenger Zumutbarkeitsregeln nach Integration in reguläre, halbwegs sichere Beschäftigungsverhältnisse strebt.

Autoren und Autorinnen:

Klaus Dörre ist Professor am Arbeitsbereich für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Karen Schierhorn, Dipl.-Soz., ist dort Doktorandin. Dr. Kai Marquardsen war dort Mitarbeiter und arbeitet nun im SOFI Göttingen. Dr. Karin Scherschel vertritt derzeit die Professur für Soziologische Theorie und Sozialanalysen an der Johannes-Kepler-Universität Linz. Melanie Booth, M.A., ist Mitarbeiterin im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie. Tine Haubner, M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Kolleg »Postwachstumsgesellschaften« am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Kontakt: Miriam Schulte, 030-40576782 (Di. bis Do.), schulte@campus.de

Im Internet:

http://www.campus.de/wissenschaft/soziologie/Arbeitsmarkt-+u.+Bildungsforschung.40397.html/Bew%C3%A4hrungsproben+f%C3%BCr+die+Unterschicht%3F.100551.html

Leider kostet das Buch immerhin 29.90 Euro und ein Taschenbuch, das günstiger wäre ist nicht geplant.

Hartz IV muss weg! – Für eine menschenwürdige Grundsicherung – Diskussionsveranstaltung mit Inge Hannemann (Noch) Mitarbeiterin im Jobcenter Hamburg Altona U 25 in Hamburg – Winterhude (Goldbekhaus) am 5. August 2013

Hartz IV muss weg! – Für eine menschenwürdige Grundsicherung – Diskussionsveranstaltung mit Inge Hannemann (Noch) Mitarbeiterin im Jobcenter Hamburg Altona U 25 in Hamburg – Winterhude (Goldbekhaus) am 5. August 2013

Klar (Zeitschrift der Linken im deutschen Bundestag): Was kritisieren Sie an den Hartz-IV-Gesetzen?

Sie schränken die Grundrechte der Menschen ein und stellen somit eine in ihrem Kern demokratiefeindliche Gesetzgebung dar. Die Leistungsberechtigten sind erpressbar durch die Sanktionen. Sie dürfen ihre Stadt nicht verlassen, sie werden gezwungen, fast jeden Job anzunehmen. Der in der Verfassung festgeschriebene Sozialstaat wird durch Hartz IV abgebaut, das betrifft uns alle – egal, ob wir erwerbslos sind oder erwerbstätig. Jeder dieser Einzelpunkte gefährdet die Errungenschaften des Grundgesetzes.

(Inge Hannemmann im Interview mit „Klar – Zeitung der Fraktion DIE LINKE im Bundestag“, Nr. 29, Sommer 2013)

Das Arbeitslosengeld II – Kern der Hartz-IV-Gesetze – soll Menschen, die länger als 12 Monate arbeitslos sind bzw. noch nie oder nur gering bezahlt erwerbstätig sein konnten, sowie ihre Familien das Überleben sichern – mehr nicht. Von Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben kann keine Rede sein. Der Zweck der sogenannten Jobcenter ist dabei nicht, den Menschen Arbeit zu vermitteln, sondern die Leistung für Erwerbslose zu reduzieren. Das Ministerium für Arbeit und Soziales erwartet vor allem eins: „Wirtschaftlichkeit“. So wird bei einer nicht unerheblichen Anzahl tatsächlich Hilfebedürftiger weiter gekürzt und damit das gesetzlich bestimmte Existenzminimum unterschritten.

Diese dauerhafte Verletzung der menschlichen Würde wird verstärkt durch die Aberkennung von Grundrechten wie der Freizügigkeit und der freien Wahl des Berufs, was mit einem umfangreichen Sanktionskatalog durchgesetzt werden soll. Es gelte: nicht Wirtschaftspolitik und –System seien Ursache der massenhaften Erwerbslosigkeit, sondern der Einzelne sei selber schuld. Die Ideologie der „Eigenverantwortung“ richtet sich gegen das Prinzip der Solidarität und damit gegen uns alle.

Die Hartz-IV-Gesetzgebung ist zu überwinden zu Gunsten einer Grundsicherung, die allen Menschen ein Leben in Würde, die gesellschaftliche Teilhabe an der gemeinsamen Entwicklung von Demokratie, sozialer Gerechtigkeit und Kultur ermöglicht.

Inge Hannemann ist (Noch)Mitarbeiterin im „Jobcenter“ Hamburg Altona und war bislang zuständig für junge Erwachsene bis zu 25 Jahren. Sie gehört zu jenen MitarbeiterInnen, die sich weigern, grundrechtsverletzende Sanktionen zu verhängen. Nachdem ihre Proteste intern ergebnislos verhallten, machte sie die systematische Entwürdigungs- und Restriktionspraxis öffentlich. Gemeinsam mit ihr wollen wir Erfahrungen aus der Praxis und die Gründe ihrer scharfen Kritik diskutieren.

Was aber sind Alternativen? Und wie sind sie durchzusetzen?
Um diese und weitere Fragen zu beraten, laden wir Sie / Euch herzlich zu unserer Diskussionsveranstaltung ein:

Montag, 05. August 2013 / 19.00 Uhr – Goldbekhaus, Moorfuhrtweg 9 (Bühne zum Hof)

V.i.S.d.P.: Antje Wefing c/o DIE LINKE – Nord, Hartzlohplatz 1, 22307 Hamburg

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Der Blogwart 2.0

Wollte ursprünglich mal über nette Hobbies schreiben, bin dann aber in der "Twilight Zone" des politischen Alltags gelandet.

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Eine unzensierte Kommunikation zwischen einem Sozialhilfeempfänger und dem Sozialamt Bern und Ämter. Dieses Archiv (Mirror1) ist den BGE Generationen gewidmet (Quelle: tapschweiz.blogspot.ch)

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