"Hartz IV – Widerspruch zwischen Regularien und Gewissen?"

Radio free Fm aus Ulm: Liveübertragung aus dem Club Orange der vh Ulm:

Das Thema: „Hartz IV – Widerspruch zwischen Regularien und Gewissen?“

Inge Hannemann (Arbeitsvermittlerin) und „Whistleblowerin“

Scharfe Kritikerin der Hartz IV-Praxis in den Jobcentern und deshalb seit April 2013 „freigestellt“

Zu Gast waren Inge Hannemann, freigestellte Mitarbeiterin des Jobcenters in Hamburg Altona, Renate Hartwig, Publizistin, Autorin und Aktivistin und Marcel Kallwass, Studierender bei der Bundesagentur für Arbeit.

Moderation: Friedrich Hog und Dorothee Ackermann

Die Sendung von Free FM zum Nachhören und Herunterladen im Internet

http://www.freefm.de/node/16930

Zur Referentin:

Inge Hannemann absolvierte Ausbildungen als Speditionskauffrau, Netzwerkadministratorin und Arbeitsvermittlerin. Sie studierte Journalismus, ist Mitglied von Ver.di und war langjähriges Jusos-Mitglied. Sie ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

Inge Hannemann ist eine zurzeit freigestellte Jobcenter-Mitarbeiterin, die durch ihre Kritik am Hartz-IV-System bundesweit bekannt geworden ist. In ihrem Blog: http://altonabloggt.wordpress.com/ berichtet sie seit geraumer Zeit kritisch über ihre Arbeit im Jobcenter und vor allem über die Sanktionspraxis, welche aus ihrer Sicht im Grunde genommen nicht mit dem Grundgesetz und durchaus auch nicht mit der Idee der Menschenrechte vereinbar ist. Insbesondere betont Inge Hannemann in ihrer Kritik den Artikel 1 des Grundgesetzes, nach dem die Würde des Menschen unantastbar ist. Sie berichtet, wie im Arbeitsalltag es immer wieder dazu kommt, dass Jobcenter-Mitarbeiter vom System geradezu dazu gezwungen werden, gegen den Artikel 1 des Grundgesetzes zu verstoßen. Inge Hannemann befürwortet die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens als eine mögliche Alternative.

Kontroverse um Sanktionspraxis

Hannemann ist seit 2005 Mitarbeiterin beim Jobcenter Hamburg-Altona. Presseberichten zufolge weigerte sich Hannemann über Monate hinweg, bei Regelverstößen Sanktionen zu verhängen. Hannemann bestreitet diesen Vorwurf und gibt an, Sanktionen lediglich in begründeten Einzelfällen zurückgenommen zu haben. Ob eine Sanktion überhaupt verhängt werden müsse, liege im Ermessen des Sachbearbeiters. Zudem kritisierte Hannemann in ihrem Blog einige Umgangsweisen mit Beziehern von Arbeitslosengeld II sowie diesbezügliche Vorgaben.

Aus diesen Gründen wurde sie im April 2013 durch ihren Arbeitgeber mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt und erhielt Hausverbot. Dagegen klagt sie vor dem Hamburger Arbeitsgericht auf Weiterbeschäftigung. Eine ihr angebotene Versetzung auf eine Stelle ohne Kundenkontakt im Bezirksamt Eimsbüttel lehnte Hannemann ab. Der Eilantrag Hannemanns auf Weiterbeschäftigung wurde vom Arbeitsgericht am 30.7. 2013 abgewiesen. Die Hauptverhandlung beginnt am 14.8. 2013. Über 16.000 Menschen forderten in einer Online-Petition das „Jobcenter Hamburg“ zur Zurücknahme arbeitsrechtlicher Sanktionen gegen Hannemann auf.

Hannemann ist die erste Mitarbeiterin eines deutschen Jobcenters, die sich öffentlich kritisch gegen die Arbeitsmarktpolitik der Agenda 2010 zu Wort meldet. So führt sie in ihrem Altona-Blog und in diversen Vorträgen und Interviews aus, „Fordern und Fördern“, die erklärten Ziele des Hartz-Konzepts, seien längst technokratischen Vorgaben gewichen. Hartz IV verfolge nicht das Ziel, Arbeitslosen eine Perspektive für den Wiedereintritt ins Arbeitsleben zu bieten, sondern sie mittels Sanktionsdruck aus dem Leistungsbezug zu drängen.

Die Bundesagentur für Arbeit erklärte noch während des laufenden arbeitsrechtlichen Verfahrens in einer Pressemitteilung, dass es die behaupteten Missstände nicht gäbe und Hannemann tausende Mitarbeiter in den Jobcentern gefährde. Sie habe sich nur den falschen Job ausgesucht. Hannemann widersprach und gab an, sie könne ihre Kritik mit Dokumenten belegen.

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Inge_Hannemann

Die Sendung von Free FM zum Nachhören und Herunterladen im Internet

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DIE BUNDESTAGSWAHL 2013 – EINE NACHLESE

DIE BUNDESTAGSWAHL 2013 – EINE NACHLESE

23.09.2013

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Wahl des 18. Deutschen Bundestages liegt vor (Quelle: zeit.de). Daran wird sich bekanntermaßen nichts Grundlegendes mehr ändern. Die FDP (4,8%) hat mit einem erdsturzartigen Verlust von -9,8% nun endlich die langersehnte Quittung für ihre exzessive neoliberale Klientelpolitik erhalten und wird erstmals seit der Gründung der BRD nicht mehr im Bundestag sitzen. Die Deutsche Wirtschaft trauert (Quelle: spiegel.de u.a.), der Wähler frohlockt hoffnungsvoll.

Linke (8,6% = -3,3%) und Grüne (8,4% = -2,3%) haben ebenfalls leichte Verluste zu verzeichnen. Sie bleiben zwar im Bundestag, konnten zu den Wählern aber nicht genügend Vertrauen aufbauen, um ihre Positionen zu stärken. Schade, denn gerade mit diesen Parteien wären dringend erforderliche Änderungen in der Steuer-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik möglich gewesen.

Ein überraschend hohes Ergebnis hat der Neuling AfD hingelegt, der auf 4,7% kam, damit aber (glücklicherweise) nicht in den Bundestag einzieht. Vorerst bleibt uns also die vom AfD geplante Rückkehr in die politische Vergangenheit (prä 2000) erspart.
Damit sollte sich aber niemand in Sicherheit wiegen, denn dieser Erfolg ist wohl weniger durch sog. Protestwähler zu erklären, als vielmehr mit der deutlich Rechten politischen Ausrichtung der AfD.

Leicht profitiert hat die SPD mit insgesamt 25,7% (+2,7%). Damit ist sie aber noch immer sehr weit entfernt von ihrem Hoch in den Wahljahren 1998 (40,9%) und 2002 (38,5%). Leider bekennt sich die SPD weiterhin zur Schröderschen Agenda 2010, mit der sie sich weit von ihrer ursprünglichen politischen Basis entfernt hat und die maßgeblich für den massiven Stimmenverlust der letzten Wahljahre war. Daran wird sich auch nichts ändern, solange die SPD es nicht schafft, zu ihren politischen Wurzeln zurückzukehren, sondern stattdessen lieber den Kopf in den Sand steckt. Starke Gesten reichen nicht aus Herr Steinbrück, starke Handlungen „back to the roots“ sind gefragt.

Auch eine Koalition mit den Grünen (8,4%) würde der SPD aktuell keine regierungsfähige Stimmenmehrheit bringen. Um diese zu erreichen, müsste sich die SPD durchringen, auch mit den Linken (8,6%) eine Koalition einzugehen. Davor scheut die SPD aber weiterhin zurück, denn sie ist nach wie vor viel zu weit von ihren politischen Ursprüngen entfernt, um dafür gerüstet zu sein.
Stattdessen werden aus den Reihen der SPD bereits wieder Stimmen laut, die eine große Koalition mit dem politischen Gegner CDU/CSU fordern und damit der Glaubwürdigkeit der SPD wieder schwere Schäden zufügen, denn Kanzlerkandidat Steinbrück hatte diese vor der Wahl kategorisch ausgeschlossen. Aber was tut man in der SPD nicht alles, um ganz Oben mitzumischen.

Deutlich provitiert hat CDU/CSU mit 41,4% (+7,7). Das zeigt auch wieder einmal, wie leichtgläubig Wähler sein können und wie einfach man sie manipulieren kann. Erfolgreich hat die CDU/CSU diesen in der nun vergangenen Regierungsperiode des 17. Bundestages wieder vorgegaukelt, nichts mit der neoliberale Klientelpolitik ihres Koalitionspartners FDP zu tun zu haben, ja diese sogar abzulehnen – als ob die FDP mit ihren mageren 93 Sitzen diese Politik hätte allein betreiben können. Natürlich hat die CDU/CSU mit ihren 239 Sitzen dabei tatkräftig mitgewirkt, ohne wäre es der FDP absolut unmöglich gewesen das zu tun, was getan wurde. Und Merkels „Geniestereich“, in den letzten Tagen vor der Bundestagswahl (als bereits abzusehen war, dass die FDP als Koalitionspartner wegfällt): das bislang nicht eingelöste (Schuld daran ist natürlich nur die FDP) Wahlversprechen eines bundesweiten tariflichen Mindestlohnes aus den letzten beiden Wahlkämpfen nun zum dritten Mal auszugraben, dürfte etliche bis dahin unentschlossene Wähler in die Arme der CDU/CSU getrieben haben. Vielleicht strebt ja Frau Merkel nach ihrer politischen Karriere auch eine als Schauspieler an. Ihre Befähigung dazu hat sie jedenfalls schon hinreichend bewiesen.

Aber ich will die Wähler nicht allzu sehr schelten, denn wer weis schon, was uns aktuell eine SPD-Regierung gebracht hätte. Schließlich ist die SPD 1998 und 2002 in die angestammte politische Rolle von CDU/CSU und FDP geschlüpft, hat diesen damit die Wähler abgeworben und uns im Ergebnis einen in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellosen Sozialabbau beschert. Das hat sich tief in das Wählergedächtnis eingegraben und auf eine Wiederholung verzichten wir alle sicher gern. Da wählt man doch aus Angst, ja Panik vor einer Wiederholung der Agenda 2010, lieber die politische Beständigkeit von CDU/CSU, denn da weis man wenigstens, was man bekommt – auch wenn man es eigentlich gar nicht will. Und „entschärft“ zur Sicherheit noch die FDP. (fm)

gegen-hartz.de vom 23.09.2013

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/die-bundestagswahl-eine-nachlese-90015820.php

BERLINER BEZIRK ERLEICHTERT FLASCHENSAMMELN

BERLINER BEZIRK ERLEICHTERT FLASCHENSAMMELN

Behältnisse mit Jobcenter-Aufkleber soll Flaschensammeln erleichtern

25.09.2013

Immer mehr Menschen sind darauf angewiesen, leere Pfandflaschen zu sammeln, weil beispielsweise der karge Hartz IV Regelsatz am Ende des Monats nicht ausreicht oder das Jobcenter mal wieder eine Sanktion und damit eine Geldkürzung aussprach. Weil Flaschen nicht selten in öffentlichen Müllcontainern verschwinden, müssen die Sammler auch im Müll wühlen. Ein neues Projekt in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter soll das Flaschensammeln erleichtern.

Der Anblick von Armut stört anscheinend das Berliner Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Hier hat man sich in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter entschlossen, „Bedürftigen das Sammeln von Flaschen zu erleichtern“. Ab heute werden im Stadtbezirk weiße Kisten für Flaschen aufgestellt. Die Wegwerfer sollen damit animiert werden, die Flaschen in die Boxen zu stellen. Carsten Engelmann vom Bezirksamt sagt: „Wir wollen die unmenschliche Situation der Pfandsammler verbessern.“

Die Ursprungsidee hatten die Grünen. Nach deren Antrag initiierten die Bezirksräte das Projekt. Die Behältnisse wurden von Hartz IV abhängigen Ein-Euro-Jobbern gefertigt und vorerst für ein halbes im Bezirk installiert. Nach dieser Zeit soll geprüft werden, ob in ganz Berlin diese Flaschenboxen aufgestellt werden.

Gegenüber der „BZ“ sieht Sprecherin Sabine Thümler (BSR) das Pilotprojekt kritisch. Nicht etwa weil es kein Projekt ist, dass den Menschen wirklich aus der Armut helfen könnte, sondern es könne ja sein, dass durch die Behältnisse die Vermüllung stärker werde. „Da landet dann alles drin, nur keine Flaschen.“

„Wir wollen die unmenschliche Situation der Pfandsammler verbessern.“ … jetzt müsste eigentlich kommen: Deswegen braucht es eine sanktionsfreie und existenzsichernde Mindestsicherung. Stattdessen: „Darum hängen wir Pfandkisten mit dem Aufdruck Jobcenter auf.“ — hergestellt von Ein-Euro-Jobbern. „Man kann gar nicht so viel essen, wie man …“ empört sich Katja Kippinng (LINKE) heute bei Facebook. (sb)

gegen-hartz.de vom 25.09.2013

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/berliner-bezirk-erleichtert-flaschensammeln-90015825.php

Die Mär vom Jobwunder

Die Mär vom Jobwunder

BZ-GASTBEITRAG: Wolfgang Kessler findet, dass eine neue Regierung die Kannibalisierung des Arbeitsmarkts beenden muss.

Noch nie gab es so viele Erwerbstätige wie zurzeit, verkündet Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder. Das ist durchaus ein Erfolg, aber er ist teuer erkauft: Die meisten der neu geschaffenen Jobs sind schlecht bezahlt und ungesichert. Der Arbeitsmarkt ist gespalten. Frank-Jürgen Weise, Präsident der Bundesagentur für Arbeit, sagte: „Die Zuwächse in der Beschäftigung haben wir bei Befristungen, in Teilzeit, bei Minijobs und Leiharbeit.“ Dort entstanden im Wesentlichen jene 2,3 Millionen neuen Jobs, von denen im Wahlkampf die Rede war. Doch diese Jobs gehen mit einer Kannibalisierung der Löhne und Arbeitsbedingungen einher, wie sie Deutschland noch nie gesehen hat.

Weiterlesen in der Badischen Zeitung vom 28.09.2013

http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/die-maer-vom-jobwunder–75675321.html

HARTZ IV: HÖHERE MIETZAHLUNGEN IN LEIPZIG?

HARTZ IV: HÖHERE MIETZAHLUNGEN IN LEIPZIG?

Klage wegen zu geringer Mietobergrenze für Hartz IV-Bezieher war erfolgreich

27.09.2013

Ein 39-jähriger Hartz IV-Bezieher zog erfolgreich gegen die Stadt Leipzig vor Gericht, da diese eine zu geringe Mietobergrenze festgelegt hat. Das Gericht monierte vor allem, dass für die Berechnung der Mietobergrenze nicht etwa ein Mittelwert aus allen Mietwohnungen in Leipzig gebildete wurde, sondern lediglich Wohnungen von Leistungsberechtigten berücksichtigt wurden. Sollte die Stadt nicht in Berufung gehen oder diese verlieren, können Betroffene auf höhere Mietkosten und sogar Nachzahlungen hoffen.

Kein schlüssiges Konzept zur Ermittlung der Mietobergrenze in Leipzig

Der 39-Jährige lebt derzeit auf 47,18 Quadratmetern, für die er 330 Euro Miete pro Monat zahlt. Das Jobcenter weigerte sich jedoch, diesen Betrag für die Unterkunft zu übernehmen. Stattdessen zahlt die Behörde nur 283,10 Euro. Der Mann fand heraus, dass der Betrag laut Sozialgesetzbuch zu niedrig ist und zog vor Gericht. Mit der richterlichen Begründung, dass Leipzig kein schlüssiges Konzept für die Kosten der Unterkunft erarbeitet hat, gewann der Hartz IV-Bezieher das Verfahren. Seine Anwältin, Anja Martin, sagte gegenüber „Bild“: „Das Bundessozialgericht hat Vorgaben erstellt, wie so ein schlüssiges Konzept erarbeitet werden muss. Leipzig hat das zwar getan, aber nicht konsequent!“

Das Gericht monierte einerseits formelle Mängel, andererseits aber vor allem die Art der Ermittlung der Mietobergrenze. Die Stadt hat dafür weder den Mittelwert aus allen Leipziger Mietwohnungen noch den Durchschnittswert der Wohnungen mit einfachem Standard herangezogen. Stattdessen wurden lediglich die Wohnungen von Hartz IV-Beziehern berücksichtigt. Größe und Standard der Unterkünfte wurden ignoriert. „Das geht so nicht“, kritisierte die Anwältin.

„Bislang haben alle Richter festgestellt, dass Leipzig kein schlüssiges Konzept hat“, erläuterte Michael Pies, Sprecher des Sozialgerichts, gegenüber der Zeitung. Die Stadt wird sehr wahrscheinlich in Berufung gehen – in der Hoffnung, dass das Landessozialgericht zu einem anderen Urteil kommt.

Derzeit sind bereits 558 offene Widersprüche wegen zu geringer Unterkunftskosten beim Jobcenter Leipzig anhängig. „Die Anhebung des Eckwertes um nur einen Euro würde Mehrkosten von 25 Mio. Euro verursachen. Nach Abzug von Bundeszuschüssen hätte Leipzig davon 17 Mio. Euro selbst zu tragen“, zitiert das Blatt die Stadt. Derzeit liegt die Obergrenze für die Kaltmiete bei 4,48 Euro Quadratmeter in Leipzig. Hartz IV Bezieher aus Leipzig, denen das Jobcenter bereits mitteilte, dass die Unterkunftskosten zu hoch sind, sollten unbedingt einen Widerspruch einlegen, um Kosten nach Beendigung des Verfahrens erstattet zu bekommen. (ag)

gegen-hartz.de vom 27.09.2013

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-hoehere-mietzahlungen-in-leipzig-90015826.php

HARTZ IV: SOZIALBEAMTE FORDERN ZWANGSARBEIT

HARTZ IV: SOZIALBEAMTE FORDERN ZWANGSARBEIT

Hartz IV Bezieher sollen verpflichtend in der Pflege arbeiten

24.09.2013

Das Durchschnittsalter der Einwohner in Mittelsachsen steigt ebenso wie im restlichen Bundesgebiet. Der steigenden Zahl der Pflegebedürftigen soll nach dem Willen einiger Kreisbeigeordneter durch Arbeitsverpflichtungen von Hartz IV-Beziehern begegnet werden. So sagte der oberste Sozialbeamte Mittelsachsens, Dieter Steinert, gegenüber der Freien Presse: „Zu viele sitzen untätig zu Hause und haben keine Chance auf einen Job.“

„Tabus brechen“ wollen die Verantwortlichen. Das sei „ein Ergebnis“ der jüngsten Regionalkonferenz. Tabubruch heißt hier jedoch nichts anderes, als Hartz IV-Bezieher zur Pflege von älteren Menschen zu zwingen. „Jeder Leistungsbezieher sollte verpflichtet sein, etwas für die Gesellschaft zu tun“, sagte Steinert. Zwar wisse er, dass viele Menschen dieses Vorhaben kritisieren, da es eine Arbeitsverpflichtung bereits zu Zeiten des Nationalsozialismus in Deutschland gab, dennoch sei er für die Verpflichtung von Hartz IV-Beziehern. Es sei „ein Umdenken“ notwendig, so der Sozialbeamte. Die Arbeitsstunden sollen nach dem Willen des Beamten von den Kommunen koordiniert werden. Um dieses Vorhaben umzusetzen müssen jedoch Gesetze geändert werden. 15 Stunden pro Woche sollen die Betroffenen mindestens arbeiten. Und das offenbar ohne jegliche Entlohnung.

Steffen Köcher, Geschäftsführer der Seniorenheime Freiberg, zeigte sich wenig begeistert von derlei Vorschlägen. Ein Mangel an Personal lasse sich hierdurch nicht beheben. Viele besser sei Pflegende angemessener zu vergüten, damit das Berufsbild wieder interessanter werde.

Schier unglaublich ist hingegen die Einstellung des Bürgermeisters Dieter Greysinger (SPD). Er befindet die Idee als gut, gibt jedoch zu bedenken, dass „für die Altenpflege ist nicht jeder geeignet“ sei. Aber die Leute könnten seiner Meinung nach dann Müll wegräumen oder Grünanlagen pflegen.

„Die Forderungen widersprechen eindeutig dem Grundgesetz“, mahnt Sebastian Bertram. Darin steht im Artikel 12, dass „alle Deutschen das Recht haben, ihren Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden. Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.“ Die Sozialbeamten wissen anscheinend selbst, „dass sie damit nationalsozialistische Forderungen aufstellen“, so Bertram. Um so unverständlicher, dass sie dies als „Tabubruch“ deklarieren und Grundrechte von Hartz IV Betroffenen massiv außer Kraft setzen wollen. „Das ist einfach nur menschenverachtend“. Statt über solche Zwangsarbeitsmaßnahmen zu debattieren, sollten sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen werden. Diese könnten auch in der Pflege sein, „aber nicht zu einem Lohn, bei dem die Arbeitnehmer mit Hartz IV aufstocken müssen.“ Bertram empfiehlt den Sozialbeamten mit einem ironischen Unterton „mit gutem Beispiel voran zu gehen und selbst für den Hartz IV Regelsatz zu arbeiten, um der Gesellschaft etwas zurück zu geben.“ (ag)

gegen-hartz.de vom 24.09.2013

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-sozialbeamte-fordern-zwangsarbeit-90015822.php

Wählen, nein danke! – Das Millionenheer der Nichtwähler

Wählen, nein danke! – Das Millionenheer der Nichtwähler

Sie sind politisch, sie sind frustriert, und sie sind viele: Knapp 18 Millionen gingen vergangenen Sonntag nicht zur Wahl. Damit verbleibt die Wahlbeteiligung auf historisch niedrigem Niveau.

Hätten die Nichtwähler am Sonntag gewählt, würden sie die größte Partei im Bundestag stellen. Und anders als früher kommen sie nicht mehr nur aus den Reihen der sozial Abgehängten, sondern auch aus der gut gebildeten Mittelschicht.

Frontal21 war in der ganzen Republik unterwegs, begleitete Nichtwähler bis zum Wahltag und zeigt, wer sie sind, wie sie denken und warum sie nicht wählen.

Programmhinweis:

Frontal21-Dokumentation „Die Nichtwähler“ am Mittwoch, den 25. September 2013, ab 18.45 Uhr auf ZDFinfo!

Den Filmbeitrag schon jetzt in Vollversion (43 Minuten)

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/398#/beitrag/video/1992514/Die-Nichtwähler

Beitrag in der Mediathek des ZDF (Kurzversion 27 Minuten):

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1992580/Das-Millionenheer-der-Nichtw%C3%A4hler

Wählen, nein danke!

http://www.zdf.de/Frontal-21/Wählen-nein-danke-29885514.html

Energienetz bald in Bürgerhand

Energienetz bald in Bürgerhand

Hamburger stimmten über Rückkauf der Strom- und Gasversorgung ab.

Prominente Rücktritte gab es keine, aber die Hamburger beschäftigten sich auch am Tag danach mit dem Ergebnis des Volksentscheids, die Energienetze zurück in die öffentliche Hand zu legen. 50,9 Prozent der ca. 870 000 Wähler sprachen sich für einen Rückkauf der Netze von Vattenfall und E.on Hanse aus. Eine Niederlage für Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), der sich mit CDU und FDP für ein Nein ausgesprochen hatte.

»Das ist ein Meilenstein für die direkte Demokratie«, jubelte Manfred Braasch, BUND-Landeschef und führender Kopf der Initiative »Unser Hamburg – Unser Netz« (UHUN). »Die Menschen dieser Stadt lassen sich weder einschüchtern noch hinter die Fichte führen«, freute sich auch LINKEN-Fraktionschefin Dora Heyenn. Michael Westhagemann vom Indus- trieverband warnte dagegen vor einer »langen und riskanten Phase mit Planungsunsicherheit«.

Weiterlesen im Neuen Deutschland vom 24.09.2013

http://www.neues-deutschland.de/artikel/834027.energienetz-bald-in-buergerhand.html

Arbeitslose Akademiker – Topfschlagen im Niemandsland

Arbeitslose Akademiker – Topfschlagen im Niemandsland

Von Matthias Kaufmann

Leiharbeiter mit Staatsexamen, Ingenieure in der Spülküche: Selbst Akademiker können arbeitslos werden – und zwar schneller, als sie ahnen. Wer einmal gezwungen ist, sich unter seiner Qualifikation zu verkaufen, sitzt in der Falle.

Nach drei Monaten bist du genervt. Nach sechs Monaten beginnen die Sorgen. Nach zwei Jahren bist du ausgelaugt, egal, wie enthusiastisch du dich in die ersten Bewerbungen gestürzt hast. Doch die wichtigste Zeitmarke erreichst du vorher, nach einem Jahr: „Das ist der Point of no return, danach bekommst du keinen guten Job mehr angeboten“, sagt Karl Wehrheim.

Weiterlesen in Spiegel – Online vom 19.09.2013

http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/aushilfsjobs-falle-fuer-akademiker-a-916284.html

Bundestagswahl 2013 – Hartz IV muss weg !!!

Wer noch unsicher ist…. Was er auf keinen Fall wählen sollte……

Gruppe Gutzeit klärt auf………

Hartz IV muss weg !!!

Vorherige ältere Einträge

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Der Blogwart 2.0

Wollte ursprünglich mal über nette Hobbies schreiben, bin dann aber in der "Twilight Zone" des politischen Alltags gelandet.

Sozialsystem Schweiz

Eine unzensierte Kommunikation zwischen einem Sozialhilfeempfänger und dem Sozialamt Bern und Ämter. Dieses Archiv (Mirror1) ist den BGE Generationen gewidmet (Quelle: tapschweiz.blogspot.ch)

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Nicht nur Kritik am Arbeitsamt

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