Schäbiges Weihnachtswunder

Schäbiges Weihnachtswunder

Bundesagentur für Arbeit spart bei der Förderung Erwerbsloser und verbucht erneut Überschuß. Jobcenterchefs kassieren Prämie für harte Sanktionen

Von Susan Bonath

Erwerbslose und Aufstocker kennen das: Kaum ist das Jahr zur Hälfte vorbei, knausern Arbeitsagenturen und ihre Anhängsel, die Jobcenter, bei Fortbildungen, Erstattung der Bewerbungskosten oder Darlehen für Strom oder Möbel. Auch in diesem Herbst jammerte die Bundesagentur für Arbeit (BA) über »leere Töpfe« und prognostizierte »herbe Verluste« von rund einer dreiviertel Milliarde Euro. Doch siehe da, es ereignete sich ein »kleines Weihnachtswunder« (Handelsblatt): Wie Vorstandschef Frank-Jürgen Weise am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur dpa verkündete, habe die Behörde 2013 einen Überschuß von 60 Millionen Euro erwirtschaftet. Stark gesunkene Ausgaben hätten dies ermöglicht. Schon im Jahr 2012 hatte die BA einen »Gewinn« von fast einer Milliarde Euro verbucht.

Weiterlesen in der jungen Welt vom 27.12.2013

http://www.jungewelt.de/2013/12-27/043.php

Zum Integrationskurs verpflichtet – Arbeitsamt spielt Lesepate

Zum Integrationskurs verpflichtet – Arbeitsamt spielt Lesepate

Ein Jobcenter zwingt eine 63-jährige Analphabetin aus der Türkei zu einem Integrationskurs. Vollkommen sinnlos, meinen Kritiker.

BERLIN taz | Die 63-jährige Cevahir Kalkan bemüht sich, der Lehrerin zu folgen. Aber die Anstrengung ist ihr anzusehen. Sie ist Analphabetin und sitzt in Berlin in einem Integrationskurs. Zu dem hat sie das Jobcenter verdonnert.

„Ich komme eigentlich gerne hierher“, sagt sie. „Aber ich verstehe zu wenig und vergesse alles wieder, ich werde schnell müde.“ Nach vier Stunden wirkt die Frau abgeschlafft und möchte nur noch nach Hause.

Weiterlesen in der taz vom 26.12.2013

http://www.taz.de/!129975/

Hamburger Tafel muss Bedürftige abweisen

Hamburger Tafel muss Bedürftige abweisen

Inzwischen werden wöchentlich 15.000 Menschen versorgt. Mehr geht nicht

Von Daniel Schaefer

Sie will allen Menschen in Not helfen – aber jetzt stößt sie an ihre Grenzen: Die Hamburger Tafel mit ihren 16 Lebensmittelausgabestellen ist vielerorts komplett überlastet. In Altona, Eimsbüttel oder Osdorf wurden bereits Aufnahmestopps erlassen. Immer öfter müssen Bedürftige weggeschickt werden, da die Lebensmittel nicht ausreichen. „Wir werden komplett überrannt“, sagte Birger Warncke, Vorstandsmitglied der Hamburger Tafel, der „Welt“. Allein in Osdorf kämen pro Woche bis zu 400 Menschen zur Lebensmittelausgabe. „Wir tun unser Möglichstes, aber unsere Kapazitäten sind erschöpft.“

Weiterlesen in der Welt vom 12.12.2013

http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article122833727/Hamburger-Tafel-muss-Beduerftige-abweisen.html

Eine warme Suppe und eine Wollmütze – Wie Obdachlose gemeinsam Weihnachten feiern

Eine warme Suppe und eine Wollmütze – Wie Obdachlose gemeinsam Weihnachten feiern

Eine Weihnachtsgans im Kreise der Familie zu genießen und Geschenke unter den Baum zu legen, davon können Wohnungslose nur träumen. Aber über ein leckeres Essen, einen warmen Schlafplatz und über Gesellschaft an den Feiertagen freuen auch sie sich.

Andrea B. macht sich seit drei Monaten fast jeden Tag auf den Weg zum „Franziskustreff“ in der Frankfurter Innenstadt. Dort bekommen Wohnungslose und andere Mittellose für 50 Cent ein Frühstück. Auch an den Weihnachtstagen wird Andrea wohl im Franziskustreff sein. Die 38-Jährige ist eine von 284.000 Menschen in Deutschland, die nach offiziellen Angaben keine Wohnung haben. Sie sieht mit ihren aschblonden zum Pferdeschwanz gebunden Haaren, Jeans und Turnschuhen nicht direkt aus wie jemand, der auf der Straße lebt.
Erst die großen Einkaufstüten mit ihrem Schlafsack und einer lilafarbenen Decke, die sie bei sich trägt, lassen das erahnen.

Für Andrea B. ist der „Franziskustreff“ im Kapuzinerkloster Liebfrauen weit mehr als ein Ort, an dem es etwas zu essen gibt. „Es ist toll, dass die Menschen mich hier ganz normal behandeln. Im Alltag begegnen mir viele Leute, für die ich nichts wert bin, weil ich obdachlos bin“, sagt sie. Ähnlich sieht das Silvia K.. Sie freut sich gerade an den Weihnachtstagen „über Gesellschaft und Menschen zum Reden“.

Weihnachtsprogramm für Wohnungslose

Sie hat die Feiertage fast komplett verplant. Nach dem Frühstück wird sie am 24. Dezember Richtung Hauptbahnhof weiterziehen. Dort verteilen die Johanniter warme Suppe an Bedürftige. Nachmittags steht Kaffee in der Bahnhofsmission auf ihrem Programm, und abends wird sie die „Lange Nacht am Heiligen Abend“ in der Weißfrauen Diakoniekirche verbringen. Dort wird ein Gottesdienst gefeiert, anschließend gibt es Weihnachtsessen. Bis zum nächsten Morgen können Bedürftige dort Musik hören, einen Film schauen, schlafen und dann gemeinsam frühstücken.

Für Silvia K. ist Weihnachten in der Diakoniekirche schon ein Ritual.

Das Frühstück im Franziskustreff ist immer reichhaltig. Es gibt Brot, Wurst und Käse, ebenso Schokocreme und Marmelade. Dazu bekommen die Gäste warmen Kaffee und Kakao. Auch Bananen, Äpfel und anderes Obst verteilen die überwiegend ehrenamtlichen Helfer an die Gäste.
Felix F. war an den Weihnachtstagen schon öfter dort und erinnert sich, dass auch Schokoladen-Nikoläuse und Lebkuchen auf den Tischen standen. „Ich bin Diabetiker, deshalb hatte ich nicht viel davon, aber schön war es trotzdem.“

Gemeinschaft ist das wichtigste

Auch die Tagesstätte „Bärenstraße“ der Caritas hat an den Feiertagen den ganzen Tag geöffnet. Wohnungslose bekommen dort das ganze Jahr über Mahlzeiten, an Weihnachten wird das Buffet etwas umfangreicher als sonst. Doch Klaus Schäfer, Leiter der Einrichtung, meint: „Wir überschätzen die emotionale Bedeutung von Weihnachten.“ Für die Wohnungslosen seien Kälte, nasse Schlafsäcke, psychische und andere gesundheitliche Probleme gerade in der Winterzeit viel bedeutender als ein Fest. Auch Bruder Paulus vom Franziskustreff, der in seiner Mönchskutte dort sitzt, sagt, es sei wichtiger, „Herzlichkeit zu leben, und das nicht nur an den Feiertagen“.

Gemeinschaft ist für Luigi C. an Weihnachten das Wichtigste. Er und etwa 45 weitere Männer wohnen im Übergangswohnhaus „Weser5“ der Diakonie. Er lebe allein, sagt der Italiener, an den Weihnachtstagen aber seien die anderen hier wie eine Familie für ihn.

Waldemar L., ständiger Gast im Franziskustreff, stahlt, als er sein Weihnachtsgeschenk vom vergangenen Jahr zeigt: „Ich habe diese Mütze hier bekommen.“ Er zeigt eine wollweiße Strickmütze vor. „Die habe ich jetzt das ganze Jahr getragen – dieses Mal habe ich mir einen Rucksack gewünscht und meistens bekommt man die Dinge dann auch“, freut er sich schon.

Für den Tagestreff Bärenstraße und den Franziskustreff ist es kein Problem, Ehrenamtliche an Weihnachten zu gewinnen. Für viele Engagierten sei es „Ehrensache, an den Feiertagen ein paar Stunden zu helfen“, sagt Bruder Paulus.

Domradio.de vom 17.12.2013

http://www.domradio.de/themen/soziales/2013-12-17/wie-obdachlose-gemeinsam-weihnachten-feiern

In der Armutsspirale

In der Armutsspirale

Alarmierender Report: Ganze Regionen veröden, rasant wachsende Kluft zwischen Elend und Wohlstand, soziale Zerrissenheit hat dramatisch zugenommen

Von Michael Merz

Noch im März verkündete die Bundesregierung, die Schere zwischen Arm und Reich schließe sich im Land. Doch dies war Schönfärberei, begründet mit veraltetem Datenmaterial. Stattdessen hat die Armut ein neues Rekordhoch erreicht. »Sämtliche positiven Trends aus den letzten Jahren sind zum Stillstand gekommen oder haben sich gedreht«, sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, anläßlich der Vorstellung des Armutsberichts 2013 am Donnerstag in Berlin.

Jeder siebte Mensch lebt an oder unter der Armutsgrenze. Seit 2006 der erste Bericht dieser Art vorgelegt wurde, hat die Not kontinuierlich zugenommen. Die Quote liegt nun durchschnittlich bei 15,2 Prozent. Und die Kluft zwischen Wohlstand und Elend wächst stetig. Während im Bayerischen Oberland nur 8,1 Prozent der Menschen als arm gelten, sind es in Vorpommern ganze 25,5 Prozent. Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der geringsten Armutsquote, Baden-Württemberg (11,1 Prozent), und dem mit der höchsten, Bremen (23,1 Prozent), hat sich weiter vergrößert. »Deutschland war noch nie so gespalten wie heute, ganze Regionen befinden sich in einer Armutsspirale«, so Schneider.

Weiterlesen in der jungen Welt vom 20.12.2013

http://www.jungewelt.de/2013/12-20/024.php

Armut auf Rekordhoch: Paritätischer und Nationale Armutskonferenz warnen vor sozialer Verödung ganzer Regionen

Armut auf Rekordhoch: Paritätischer und Nationale Armutskonferenz warnen vor sozialer Verödung ganzer Regionen

Vor der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und der sozialen Verödung ganzer Regionen warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband anlässlich der Veröffentlichung seines Armutsberichts 2013. Mit 15,2 Prozent habe die Armut in Deutschland ein neues Rekordhoch erreicht, die soziale und regionale Zerrissenheit habe dabei dramatisch zugenommen. Gemeinsam mit der Nationalen Armutskonferenz fordert der Verband die gezielte finanzielle Förderung notleidender Kommunen sowie ein Paket von Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Erhalt der sozialen Infrastruktur vor Ort.

„Sämtliche positive Trends aus den letzten Jahren sind zum Stillstand gekommen oder haben sich gedreht. Die Kluft zwischen bundesdeutschen Wohlstandsregionen auf der einen und Armutsregionen auf der anderen Seite wächst stetig und deutlich. Deutschland war noch nie so gespalten wie heute“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.

Seit 2006 habe die Armut in Deutschland besorgniserregend von 14 auf nunmehr 15,2 Prozent zugenommen. Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der geringsten Armutsquote (Baden-Württemberg: 11,1 %) und dem Letztplatzierten (Bremen: 23,1 %) habe sich vergrößert und betrage mittlerweile 12 Prozentpunkte. Auch das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit innerhalb der Bundesländer habe eine neue Qualität erreicht. Keine Entwarnung gebe es insbesondere für die „armutspolitische Problemregion Nummer 1“, das Ruhrgebiet. „Ganze Regionen befinden sich in Abwärtsspiralen aus wachsender Armut und wegbrechender Wirtschaftskraft. Hier brauchen wir eine gezielte finanzielle Förderung und soziale Programme, um der Verödung entgegenzuwirken“, so Schneider.

Die Nationale Armutskonferenz (nak) bewertet die Befunde als alarmierend. „Der Bericht zeigt, dass wir in Deutschland weiter von einer chancengerechten Gesellschaft entfernt sind, als je zuvor“, so Sprecher Joachim Speicher. In einem Sechs-Punkte-Katalog fordert die Nationale Armutskonferenz zur Armutsbekämpfung unter anderem eine bedarfsgerechte Erhöhung der Regelsätze, Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose sowie eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus.

Gemeinsam kritisieren Schneider und Speicher den Verzicht der neuen Bundesregierung auf solidarische Steuererhöhungen für große Vermögen und Einkommen, um entsprechende Maßnahmen zu finanzieren.

Den Bericht, weitere Infos und eine detaillierte Suchfunktion nach Postleitzahlen finden Sie im Internet unter: http://www.der-paritaetische.de/armutsbericht2013

Pressekontakt:

Gwendolyn Stilling, Der Paritätische Gesamtverband, Pressesprecherin, Tel. 030/24636305, Mobil: 0173/9986994, eMail: pr@paritaet.org
Christian Böhme, Nationale Armutskonferenz, Pressesprecher, Tel. 0172/4181982

Nationale Armutskonferenz (nak) / Armut auf Rekordniveau:

http://nationalearmutskonferenz.de/index.php/presse/pressemitteilungen/272-armut-auf-rekordhoch-paritaetischer-und-nationale-armutskonferenz-warnen-vor-sozialer-veroedung-ganzer-regionen

10 Jahre Hartz IV – eine Schadensbilanz

10 Jahre Hartz IV – eine Schadensbilanz

Vor 10 Jahren, am 19. Dezember 2003, wurde Hartz IV von Bundestag und Bundesrat verabschiedet. Das Kernstück der Agenda 2010 sorgt seit dem für eine eklatante Demontage des Sozialstaats. Damit einher ging zugleich auch eine beispiellose Entwürdigung der Leistungsberechtigten. Allein im Jahr 2012 wurden über eine Million Mal Sanktionen und Leistungskürzungen vorgenommen. Auf einer Pressekonferenz im Berliner Karl-Liebknecht-Haus legte Katja Kipping eine „Schadensbilanz von 10 Jahren Hartz IV“ vor. Inge Hannemann, deutschlandweit bekannte „Hartz IV-Rebellin“ und suspendierte Arbeitsvermittlerin des Jobcenters Hamburg, informierte über die mit mehr als 83.000 Unterschriften erfolgreiche Bundestagspetition zur Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen.

Kurzer Bericht des NDR:

Telefongespräch: Freies Radio Potsdam mit Inge Hannemann – E-Petition zur Abschaffung der ALG2-Sanktionen

Telefongespräch: Freies Radio Potsdam mit Inge Hannemann – E-Petition zur Abschaffung der ALG2-Sanktionen

Am 18.12.2013 um 23:59 Uhr endet die Zeichnungsfrist der E-Petition 46483 für die Streichung der Sanktionen gegen ALG2-Empfänger.

Neben dem sogenannten „Abstandsgebot“ sind die Sanktionen das eigentliche Kernstück der Hartz4-Maßnahmen zur Lohnsenkung in der Bundesrepublik.

Menschen ohne Arbeit sollen in Niedriglohnjobs gezwungen und ein allgemeiner Druck auf Beschäftigte zu Lohnverzicht und „Leistungsbereitschaft“ ausgeübt werden. Nebenbei senkt der Staat seine unproduktiven Sozialausgaben.

Für die Zukunft ist nichts Gutes zu erwarten, wenn die Staaten versuchen werden, nach der Krise die Geldvermehrung wieder in Gang zu bringen.

Rechtzeitig zum Beginn der Legislaturperiode hat Inge Hannemann eine E-Petition für die Streichung der Sanktionen eingereicht. Auch wenn keine Chance besteht, diese menschenverachtenden Maßnahmen loszuwerden, kann die Petition ein Zeichen setzen und mobilisieren.

Der „Salatschatten“ wollte in einer Sondersendung auf die Petition aufmerksam machen und hat mit Inge Hannemann am Telefon dazu ein lockeres Gespräch geführt. Dieses kann gern beliebig gekürzt und verarbeitet werden.

Mitsamt der Einleitung ist die Sendung hier zu hören:

NEUER REKORD: 350 PROZENT HARTZ IV SANKTION

NEUER REKORD: 350 PROZENT HARTZ IV SANKTION

Neuer Rekord: 350% Sanktion!

14.12.2013

Die MainArbeit, das berühmte „Vorzeigejobcenter“ der kreisfreien Stadt Offenbach, hat einen neuen Rekord aufgestellt: Eine Sachbearbeiterin hat einem ihrer „Hartz IV Kunden“ eine Sanktion von 350 Prozent ausgesprochen. „Sanktion“ bedeutet bei Hartz IV, dass ein Empfänger von Arbeitslosengeld II für tatsächliche oder angebliche Verletzungen seiner Pflichten die monatlichen Bezüge um einen gewissen Prozentsatz „abgesenkt“ bekommt.

Herr R. aus Offenbach bekommt also derzeit 350% weniger Arbeitslosengeld als die üblichen 330 Euro im Monat, müsste demnach also aufgrund der Tatsache, dass er einen Antrag gestellt hat, jetzt theoretisch monatlich 1155 Euro Sozialleistungen an die Stadt bezahlen.

Die Sachbearbeiterin, die für ihre kreativen Bescheide bei Beratungsstellen und beim zuständigen Sozialgericht bereits bestens bekannt ist, hat sich für das Problem, dass 350% Kürzung in der Praxis unmöglich umzusetzen sind, eine Lösung einfallen lassen. Sie
kürzt dem Mann das Arbeitslosengeld nur um 100% zuzüglich seinem Mietanteil von 190 Euro, will dafür dann aber den laut Gesetz dreimonatigen Kürzungszeitraum einfach von Oktober 2013 bis in den Sommer 2014 verlängern. Oder mit anderen Worten: Sie will die insgesamt sechzehn oder siebzehn Einzelstrafen über acht Monate so verteilen, bis die theoretischen 350% „Absenkung“ auf der Basis eines Dreimonatszeitraumes in der Summe erreicht wurden.

Nach Auffassung der „Hartz IV Hilfe“ gibt es für diese Verfahrensweise der MainArbeit keinerlei Rechtsgrundlage. „Da in einem Rechtsstaat jedes Verwaltungshandeln auf einer Rechtsgrundlage beruhen muss, könnte man dieses Verfahren der Stadt Offenbach demzufolge als rechtswidrig bezeichnen“, so Roman Thilenius, Mitarbeiter der unabhängigen Beratungsstelle für MainArbeit Kunden.

Eine unglückliche Verkettung fragwürdiger Verwaltungsakte

Doch es bleibt nicht bei der fragwürdigen Addition der Einzelstrafen und der Ausweitung des Sanktionszeitraumes von drei auf acht Monate. Das ist der MainArbeit nicht genug, das kann sie besser. Die Lebenspartnerin des Betroffenen und ihre Kinder sollen nach dem Willen der Stadt nämlich gefälligst gleich mitverhungern.

Die MainArbeit hat der Familie jetzt einen Leistungsbescheid ausgestellt, in dem dem Mann zwar sein Mietanteil gestrichen wird, aber trotzdem die volle Miete an der Vermieter überwiesen wird. Dazu hat die MainArbeit nun einfach den Mietanteil des Mannes vom Arbeitslosengeld der Frau abgezogen.

„Somit sanktioniert das Jobcenter hier eine Person dafür, dass eine andere Person Pflichtverletzungen begangen hat. Darauf muss man erst mal kommen. Die MainArbeit lässt Frau und Kinder verhungern, um deren Vater zu betrafen.“ meint der Sozialberater von der Hartz IV Hilfe. Man könne es auch umgekehrt betrachten. Dem Mann sei nämlich durch diesen Vorgang Geld überwiesen worden, was ihm aufgrund des Arbeitslosengeldbescheides, in dem ihm ja die Miete gestrichen wurde, überhaupt nicht gewährt worden ist. „Da wird es dann ganz kriminell“.

Als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, kommen weitere Kleinigkeiten hinzu, die das Fass zum Überlaufen bringen. Denn auch die Frau selbst hat inzwischen eine dreißigprozentige Kürzung ihres Arbeitslosengeldes verordnet bekommen. Sie soll einen wichtigen Termin versäumt haben, war aber an dem fraglichen Tag nachweislich krank. Wie die zuständige Sachbearbeiterin auf Nachfrage bestätigte, befände sich die Krankmeldung wohl in der Akte. Trotzdem hält die MainArbeit an der Kürzung fest.

Auch die Kinder sind betroffen

Essen von der Tafel zu holen war im Dezember nicht möglich, und wieder war die MainArbeit die Ursache. Denn da die Behörde nicht fristgemäss aktuelle Bescheide ausstellte, war die Zugangsberechtigung zur Tafel erst Mal futsch.

Auch das Essen für den Kleinen im Kindergarten ist inzwischen in Gefahr. Und auch hier ist vermutlich wieder die MainArbeit schuld. Denn obwohl das Essensgeld von der MainArbeit angeblich monatelang an den Kindergarten bezahlt wurde, liegen der Familie Mahnungen der Stadt vor. Die Beträge von 2013 seien nicht bezahlt. Wo das Geld, was die MainArbeit an den Kindergarten überwiesen haben will, geblieben ist, ist unklar. Die Sachbearbeiterin weigert sich bei der Aufklärung zu helfen und erklärt ihre Unzuständigkeit.

Insgesamt bekommt die Familie mit zwei Kindern durch diese Aktion jetzt noch 40 Euro Arbeitslosengeld pro Monat. Das ist nicht einmal genug, um die Gasrechung zu bezahlen. Die verzweifelte Mutter beantragt in ihrer Not im November dann die obligatorischen Lebensmittelgutscheine. Wieder spielt die MainArbeit nicht mit: Sie verweigert der Mutter die Herausgabe.

Die Hartz IV Hilfe stellt klar: „Bei Leistungskürzungen von mehr als 30% in Haushalten mit Kindern sind laut Gesetz auf Antrag der Betroffenen Lebensmittelgutscheine auszustellen. Da gibt es kein Wenn und Aber. Da hat das Gesetz strikt befolgt zu werden, auch wenn man die Stadt Offenbach ist, und sich für besonders befugt hält, alles anders als normal zu machen.“

Als die betroffene Behördenkundin schließlich ihrer Sachbearbeiterin gesagt hat, dass sie sich jetzt einen Rechtsanwalt nimmt, hat diese ihr davon energisch abgeraten. Einen Anwalt einzuschalten, das sei eine Maßnahme, die sich „nur zu Ihrem Nachteil auswirken wird.“

Der Sozialberater Thilenius ist fassungslos über diese unverhohlene Drohung. „An einer außergerichtlichen Lösung haben die offenbar kein Interesse, und jetzt drohen sie der Frau, weil sie vorm Sozialgericht klagen will? Aber mit was? Schlimmer als jetzt kann es ja kaum noch werden.“ Er selbst habe der MainArbeit vor zehn Tagen ein Gespräch angeboten, aber die habe darauf nicht reagiert. (Hartz IV Hilfe Offenbach)

gegen-hartz.de vom 14.12.2013

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/neuer-rekord-prozent-hartz-iv-sanktion-900159022.php

Lebensmittel für die Ärmsten / NDR – Info – Redezeit (Radio) am 11.12.2013 ab 20.30 Uhr

Lebensmittel für die Ärmsten / NDR – Info – Redezeit (Radio) am 11.12.2013 ab 20.30 Uhr

NDR – Info – Das Forum / Lebensmittel für die Armen – Die Sendung zum Nachhören

NDR – Info – Redezeit / Lebensmittel für die Armen – Die Sendung zum Nachhören

Bei der diesjährigen NDR Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ stehen dienorddeutschen Tafeln im Mittelpunkt, bei denen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gespendete Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Seit 20 Jahren lindern sie so tagtäglich die akute Not von Familien, Obdachlosen und Rentnern und engagieren sich im Kampf gegen Armut und Hunger.

Supermärkte und andere Firmen stellen für die Tafeln Konservendosen und Gläser, aber auch frisches Obst und Gemüse kostenlos zur Verfügung. Für Menschen, die Sozialleistungen beziehen, sind diese Lebensmittelspenden oft ein wichtiger Beitrag zum Lebensunterhalt.

Nachhaltige Hilfe oder falsche Mildtätigkeit?

Wie wirken die Tafeln langfristig? Machen sie es der Gesellschaft leichter, sich mit Armut abzufinden? Im Rahmen eines Themenabends beleuchtet NDR Info am Mittwoch ab 20.30 Uhr den ehrenamtlichen Einsatz der Tafel-Mitarbeiter zunächst in einem halbstündigen Feature von Reiner Scholz, anschließend können Sie ab 21.05 Uhr über die Arbeit der Tafel mitdiskutieren und Fragen stellen.

Wie wichtig sind die Tafeln für Menschen in Not? Welche Hemmschwellen gibt es, dass Angebot zu nutzen? Was bewegt einen Kritiker, der fürchtet, das Angebot der Tafeln lenke von den Ursachen der Armut ab und mache sie scheinbar erträglich? Welche Bilanz zieht eine Gründerin der Tafelbewegung heute? Wie wichtig sind Spenden und ehrenamtliches Engagement für die Arbeit der Tafeln?

Moderator Andreas Kuhnt begrüßt als Diskussionsgäste:

Sabine Werth
Vorsitzende Berliner Tafel e.V.

Dr. Jens Becker
Mitarbeiter der Hans-Böckler-Stiftung, lange Jahre Sozialforscher an der Uni Frankfurt

Prof. Dr. phil. Stefan Selke
Prodekan Fakultät „Gesundheit, Sicherheit, Gesellschaft“, Lehrgebiet „Gesellschaftlicher Wandel“, Hochschule Furtwangen

Ihre Meinung ist gefragt!

Rufen Sie an, sagen Sie Ihre Meinung, diskutieren Sie mit unseren Experten. Unsere kostenfreie Telefonnummer ist ab 20.30 Uhr geschaltet: (0 8000) 44 17 77.

NDR – Info – Redezeit

http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/redezeit/tafeln141-vf.jsp#form

NDR – Info Lifestream

http://www.ndr.de/info/radiobox119-radioboxpopup.html

Kritisches Aktionsbündnis: „20 Jahre Tafeln sind genug“ / Hoelderlinblog:

http://hoelderlin1.wordpress.com/2013/09/07/kritisches-aktionsbundnis-20-jahre-tafeln-sind-genug-vom-26-28-april-2013/

Kritisches Aktionsbündnis: „20 Jahre Tafeln sind genug“

http://aktionsbuendnis20.de/

NDR – Info – Das Forum / Lebensmittel für die Armen – Die Sendung zum Nachhören

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Der Blogwart 2.0

Wollte ursprünglich mal über nette Hobbies schreiben, bin dann aber in der "Twilight Zone" des politischen Alltags gelandet.

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