Neustart 2016 – ARD – PlusMinus 13.01.2016 – Wie die Krise zur Chance werden könnte

Neustart 2016 – Wie die Krise zur Chance werden könnte

Sie liegt mittendrin – unsere Musterstadt. Ganz Deutschland im Maßstab 1:1000. Also 80.000 Einwohner. Franziska Fröhlich Wohlgemuth ist ihre Oberbürgermeisterin.

Ein knappes Fünftel der Menschen in Musterstadt ist unter 20, ein knappes Viertel in Rente oder Pension. Die Mehrheit dazwischen im berufstätigen Alter. Die Bevölkerung wird seit Jahrzenten immer wieder von außen ergänzt und verjüngt. Ohne Zuwanderung wäre Musterstadt heute schon stark geschrumpft und überaltert. Aber es gibt auch neue Herausforderungen. 2015 sind rund 1.000 Menschen dazugekommen. Die meisten vertrieben durch Kriege und Elend in ihrer Heimat. Auf 80 Einwohner kommt jetzt also genau ein weiterer zusätzlich. Die Hilfsbereitschaft ist groß. Privat, in Vereinen, bei den Behörden und in der Wirtschaft. Aber es gibt auch einige, die Rabatz machen. Und viele sind sehr verunsichert. Die Flüchtlinge liefern zwar einen aktuellen Anlass. Aber die eigentlichen Ursachen liegen oft viel tiefer, sagen Soziologen.

„Durch die Flüchtlinge kommen Probleme ans Licht, die wir eigentlich schon die ganze Zeit haben. Denn jetzt werden die Ärmsten gegen die Armen ausgespielt, und wir haben Problemlagen auf dem Tisch, die wir hätten eigentlich schon früher lösen müssen, nämlich das Problem der Benachteiligung von Leuten, die Probleme haben ihre Miete zu zahlen oder Probleme haben, von ihrem Einkommen zu leben, und das wird jetzt offensichtlich,“ sagt die Darmstädter Soziologin Prof. Dr. Cornelia Koppetsch.

OB Fröhlich spürt deutlich, dass es in Musterstadt schon länger brodelt. Komisch! Warum sagen bei Umfragen trotzdem fast alle: „Mir persönlich geht es gut“? Für Experten eine klare Sache.

„Da gibt es ja auch die Glücksforschung, wo dann gefragt wird: Wie geht es Dir? Da sagen die Leute immer gut. Sie möchten ja nicht wie jemand dastehen, der sein Leben nicht im Griff hat, oder der auf der Verliererseite des Lebens steht. Wenn man wissen will, wie es den Leuten wirklich geht, dann muss man sie nach der Zukunft fragen. Und da zeichnet sich ein anderes Bild ab. Nämlich, dass 80 Prozent der Menschen Angst vor der Zukunft haben. Oder 75 Prozent sagen, „wir leben nicht in einer gerechten Gesellschaft“.“

Viele Menschen erleben die Politik als hilflos und ohne Orientierung. Gegenüber Kriegen und Terrorismus. Und getrieben von den Finanzmärkten. Sie haben Angst vor Globalisierung, Sozialabbau und Altersarmut. Und um die Zukunft ihrer Kinder und Enkel. Nicht zu Unrecht., meint Prof. Peter Bofinger: „Wir haben es mit einem globalen Problem zu tun, dass in den letzten 20, 30 Jahren die Arbeitseinkommen deutlich weniger gestiegen sind als die Vermögenseinkommen. Und bei den Arbeitseinkommen sind nur die gestiegen, die wirklich sehr, sehr hoch sind. Die unteren 90 Prozent der Arbeitnehmer haben in den letzten 20, 30 Jahren keinen Anstieg ihrer Reallöhne erlebt.“ Auch deshalb wirkt bei vielen jede Änderung wie eine persönliche Bedrohung. Ohne einen entschlossenen Neustart wird sich die Lage 2016 weiter zuspitzen. In Musterstadt und im ganzen Land.

ARD – Plus – Minus vom 13.01.2016:

http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/chance-aus-der-krise-100.html

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. sascha313
    Jan 14, 2016 @ 10:15:53

    Wieder einmal zeigt sich, wie sogar solche „entlarvenden Berichte“ benutzt werden, um von einer Abschaffung der kapitalistischen Besitz- und Produktionsverhältnisse abzulenken und auf eine „Verbesserung“, „Reform“ oder „Bekämpfung des Unrechts“ hinzulenken – was nichts anderes bedeutet, als die Konservierung dieser verfluchten spätkapitalistischen Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhätnisse. Es ist schlichtweg nicht möglich, den Kapitalismus zu „verbessern“! Solange die Produktionsmittel in den Händen einiger weniger Monopolisten, Konzernmanager und Großgrundbesitzer sind (die ALLES tun, um ihre Macht und ihren Einfluß zu behalten: einschließlich der Nutzung von Drogen, Waffen, Korruption und medialer Manipulierung). Man sollte doch endlich begreifen, daß nur dann eine Lösung aus dieser weltweiten Misere gefunden wird, wenn diese Abhängigkeiten fallen, die Verwirrung beseitigt wird und die Lohnabhängigen (Proletarier) sich vereinen!

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  2. sascha313
    Jan 14, 2016 @ 10:31:29

    Der Gipfel der Demagogie ist: „neue Modelle müssen her“ – Nein Herr Professor! Wollen Sie uns verarschen? Nicht neue Modelle, sondern nur eine Abschaffung des Kapitalismus „muß her“ – nicht mal ein bißchen verbessern, nicht nur hier und da ausbessern und reparieren, sondern Kampf der Ausgebeuteten genen ihre Ausbeuter!.

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  3. Dieter
    Jan 14, 2016 @ 11:38:12

    Wenn solche Aktionen zu positiven Veränderungen führt finde ich es gut, sehe aber auch die Gefahr, dass es welche geben wird, die es für eigenwillige Interpretationen nutzen werden.

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