"Große Teile der bürgerlichen Mittelschicht sind dabei, sozial zu verrohen"

„Große Teile der bürgerlichen Mittelschicht sind dabei, sozial zu verrohen“

Sarah Buron und Patrick Spät

24.01.2014

Jutta Ditfurth über den verwandlungsfähigen Kapitalismus, den zunehmenden Rassismus, den ausbleibenden Widerstand

Die Publizistin, Soziologin und politische Aktivistin Jutta Ditfurth setzt sich seit Jahrzehnten kritisch mit dem Kapitalismus und dem politischen Zeitgeschehen auseinander. Im Gespräch erklärt sie, warum Reformen und Parteien nichts am Kapitalismus ändern und weshalb die Revolution noch immer nicht ausgebrochen ist.

Frau Ditfurth, in Ihrem Buch „Zeit des Zorns“ schreiben Sie: „Der Kapitalismus ist durch Reformen nicht in eine humane Gesellschaft zu überführen.“ Haben Sie überhaupt noch Hoffnung in die Parteipolitik?

Jutta Ditfurth: Nein. Reformen sind ja heute keine Reformen mehr, also keine wirklichen Verbesserungen der Lage der Menschen. Wenn eine Reform angekündigt wird, ist das eher eine Drohung, denn es folgt meistens eine Verschlechterung der sozialen Lage, spätestens durch die Hintertür. Durch das, was heute „Reformen“ genannt wird, sind keine Änderungen hin zu sozialer Gleichheit und wirklicher Freiheit in einer dann humanistischen Gesellschaft möglich.

Aber nicht nur Parteien sind reformistisch, sondern auch etliche soziale Bewegungen sind es. Selbst wenn in einer bestimmten historischen Phase die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse gewisse Verbesserungen, sogenannte „Reformen“ für Mensch und Natur zulassen, sind diese nicht von Dauer, denn sobald der emanzipatorische Druck nachlässt, werden diese wieder abgeräumt.

Die dem Kapital eigene gnadenlose Konkurrenz und Profitmaximierung erzwingen die Spaltung der Gesellschaft in wenige Reiche und viele Arme. Der Brutalität und der Vernichtungslogik des Kapitals sind weltweit keine Grenzen gesetzt. Der Staat des Kapitals und seine Parteien sind Ausdruck dieser kapitalistischen Gewaltverhältnisse. Linke Flügel staatstragender Parteien sind gestutzte Flügel, sie fliegen nie zu den Wurzeln des Problems.

Weiterlesen bei heise online vom 24.01.2014

http://www.heise.de/tp/artikel/40/40798/1.html

Wählen, nein danke! – Das Millionenheer der Nichtwähler

Wählen, nein danke! – Das Millionenheer der Nichtwähler

Sie sind politisch, sie sind frustriert, und sie sind viele: Knapp 18 Millionen gingen vergangenen Sonntag nicht zur Wahl. Damit verbleibt die Wahlbeteiligung auf historisch niedrigem Niveau.

Hätten die Nichtwähler am Sonntag gewählt, würden sie die größte Partei im Bundestag stellen. Und anders als früher kommen sie nicht mehr nur aus den Reihen der sozial Abgehängten, sondern auch aus der gut gebildeten Mittelschicht.

Frontal21 war in der ganzen Republik unterwegs, begleitete Nichtwähler bis zum Wahltag und zeigt, wer sie sind, wie sie denken und warum sie nicht wählen.

Programmhinweis:

Frontal21-Dokumentation „Die Nichtwähler“ am Mittwoch, den 25. September 2013, ab 18.45 Uhr auf ZDFinfo!

Den Filmbeitrag schon jetzt in Vollversion (43 Minuten)

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/398#/beitrag/video/1992514/Die-Nichtwähler

Beitrag in der Mediathek des ZDF (Kurzversion 27 Minuten):

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1992580/Das-Millionenheer-der-Nichtw%C3%A4hler

Wählen, nein danke!

http://www.zdf.de/Frontal-21/Wählen-nein-danke-29885514.html

Luxuswohnungen statt Pflegeheime – Werden alte Menschen aus den Innenstädten vertrieben?

Luxuswohnungen statt Pflegeheime – Werden alte Menschen aus den Innenstädten vertrieben?

In Bonn soll das St. Paulus Pflegeheim geschlossen und das Grundstück verkauft werden. Es liegt in sehr attraktiver Lage. Gegen den Verkauf wehrt sich eine Bürgerinitiative. Deren Teilnehmer fürchten, dass ihre pflegebedürftigen Angehörigen in andere Heime in unattraktiver Lage abgeschoben werden sollen. Viele Familien wohnen in der Nähe des Heims und es kommt zu regelmäßigen Treffen mit den alten Menschen.

Träger des Heims ist die katholische Alexianer GmbH, die einen Weiterbetrieb wirtschaftlich für nicht möglich hält. Die Bürgerinitiative befürchtet jetzt, dass Luxuswohnungen anstelle des Pflegeheims entstehen und ihre Angehörigen um des Profits Willen vertrieben werden sollen.

Report Mainz vom 21.05.2013

http://www.swr.de/report/luxuswohnheime-statt-pflegeheime/-/id=233454/nid=233454/did=11274570/1pt6y20/index.html

Luxuswohnungen statt Pflegeheime
Werden alte Menschen aus den Innenstädten vertrieben?

Alte Menschen in Wut. Ein Pflegeheim soll dicht gemacht werden. Sie fürchten, dass es Luxuswohnungen Platz machen soll.

http://www.swr.de/report/luxuswohnheime-statt-pflegeheime/-/id=233454/nid=233454/did=11274570/mpdid=11462132/1u7igq4/index.html

ZDF – Zoom vom 23.01.2013 – Die Minijob – Masche – Maximale Ausbeutung – minimaler Lohn

ZDF – Zoom vom 23.01.2013 – Die Minijob – Masche

Die Minijob-Masche

Maximale Ausbeutung – minimaler Lohn

Mit der Hartz-Reform sollte alles einfacher werden. Sozialhilfe und Arbeitslosengeld wurden zusammengelegt, Arbeitswilligen Steine aus dem Weg geräumt, Bürokratie abgebaut. Teil des Konzepts war der Minijob, der es auch Empfängern von Sozialleistungen möglich machen sollte, Geld unkompliziert dazu zu verdienen. Den Arbeitgebern sollte es leichter gemacht werden, Arbeitslosen eine Chance zu geben, ohne direkt festanstellen zu müssen.

Die Politik hoffte, Unternehmen und Arbeitslose könnten sich so risikofrei kennen lernen und, sollte es dann doch nicht passen, auch unkompliziert wieder trennen. Ziel war es, möglichst viele Arbeitslose in Festanstellungen zu vermitteln.

Maximal 450 Euro

Über sieben Millionen Menschen arbeiten mittlerweile in einem Minijob, dürfen nächstes Jahr maximal 450 Euro im Monat dazu verdienen. Nur: Festangestellte werden aus Minijobbern kaum, eher das Gegenteil ist der Fall.

Für Unternehmer bietet der Minijob nämlich in erster Linie vielfache Möglichkeiten zu sparen. Und genau das ist das Problem. So nutzen Unternehmen die Regelung, um ohnehin schlecht bezahlte Minijobber noch zusätzlich auszubeuten: Urlaub wird nicht gewährt, bei Krankheit droht Kündigung, Mindestlöhne werden durch Akkordvereinbarungen umgangen und Tarifverträge ausgehebelt. Gerade weil Minijobs für Unternehmen weniger Bürokratie bedeuten und auch Kündigungen einfacher sind, werden massenhaft Vollzeitstellen umgewandelt und damit die eigentlich gute Idee des Minijobs ad absurdum geführt.

Außer Kontrolle

Die ZDFzoom-Reporter Kirsten Moser und Christian Bock zeigen, wie ein Arbeitsmodell, das ursprünglich Hausfrauen und Studenten einen unkomplizierten Nebenjob ermöglichen sollte, außer Kontrolle gerät. Wie es Vollzeitstellen vernichtet, den Sozialstaat aushöhlt, Arbeitnehmer zweiter Klasse erschafft.

Beide Reporter waren als Minijobber unterwegs, putzten Büros und schufteten im Supermarkt. Ihr Fazit: Minijobs, das ist oft minimales Geld bei maximaler Ausbeutung.
Einer der „Erfinder“ der Hartz-Reformen, Professor Jobst Fiedler, damals Berater bei Roland Berger, äußert sich im ZDFzoom-Interview kritisch: „Wir wollten eigentlich nur Putzfrauen legalisieren. Aus heutiger Sicht sind die Minijobs insgesamt ein Fehler gewesen.“

ZDF – Zoom – Die Minijob – Masche

http://www.zdf.de/ZDFzoom/Die-Minijob-Masche-26208438.html

ZDF – Zoom – Die Minijob – Masche – Die Dokumentation

BlitzBlank: ARD-Spielfilm nimmt sich des Themas Niedriglohn auf humorige Weise an

BlitzBlank: ARD-Spielfilm nimmt sich des Themas Niedriglohn auf humorige Weise an

Osnabrück. Schon vor zwei Jahren hat RTL in der Doku-Serie „Undercover Boss“ erstmals Unternehmer dabei begleitet, wie sie als Hilfsarbeiter ihre eigene Firma erleben. Jetzt bringt die ARD eine ähnliche Geschichte, allerdings als Fernsehfilm: In „BlitzBlank“ muss ein Firmenchef einen Monat lang mit 1000 Euro auskommen. Im Film sind das die Bedingungen, unter denen seine Angestellten leben müssen.

Unbezahlte Überstunden, niedrigste Löhne, unmögliche Arbeitskleidung. Den Mitarbeitern der Reinigungsfirma „BlitzBlank“ reicht’s. Und da ihr Boss Torsten Blank (Jörg Schüttauf) jedes vernünftige Gespräch im Keim erstickt, greifen sie zum letzten Mittel: Sie streiken. Blank, von seiner energischen Mitarbeiterin Lisa Lüttmer (Chiara Schoras) bei der Ehre gepackt, lässt sich zu einer Wette hinreißen. Wenn er es mit 1000 Euro schafft, vier Wochen lang zu wohnen, zu essen und zu arbeiten, fällt der Arbeitskampf flach. Wenn er verliert, bekommen seine Mitarbeiter mehr Lohn, und die Überstunden werden bezahlt.

Letzteres ist in der Wirklichkeit bereits Pflicht, betont Wolfgang Kuhn, Gewerkschaftssekretär bei der für Putzkräfte zuständigen Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU): Seit dem 1. Januar ist zudem der Mindestlohn für Reinigungskräfte auf 9 Euro festgelegt, zuvor waren es 8,78 Euro. „Wenn Chefs jetzt noch Stundenlöhne von unter 9 Euro zahlen, ist das illegal und sogar strafbar“, heißt es in einer Mitteilung des Bezirksverbandes Osnabrück-Emsland der IG BAU

Weiterlesen in der Osnabrücker Zeitung vom 22. 01.2013

http://www.noz.de/deutschland-und-welt/kultur/fernsehen/69108721/blitzblank-ard-spielfilm-nimmt-sich-des-themas-niedriglohn-auf-humorige-weise-an

Film Mittwoch im Ersten: Blitz-Blank:

http://programm.ard.de/TV/daserste/blitzblank/eid_281069335724796

Von 1000 Euro im Monat leben – geht das? Torsten Blank hält diesen Lohn für ganz passabel. Die Arbeiter seiner Gebäudereinigungsfirma allerdings sind völlig anderer Meinung und treten kurz entschlossen in den Streik. Torsten, guten Gewissens, immerhin zahlt er nach Tarif, lässt sich von der energischen Lisa zu einer Wette provozieren: Wenn er vier Wochen lang so wohnt, arbeitet und lebt wie sie, fallen die Arbeitskampfmaßnahmen aus. Wenn er verliert, bekommen alle mehr Geld. Unter Lisas strengen Augen verlässt Torsten seine Villa, gibt die Kreditkarten ab und fängt in der Putzkolonne an. Von nun an heißt es durchbeißen.

Zeitdruck und Geldmangel machen ihm zu schaffen, nicht jeder Versuchung kann er widerstehen und während der Chef ausfällt, spannt sein größter Konkurrent ihm die Kunden aus. Es sieht nicht so aus, als ob Torsten ohne Unterstützung heil aus der Wette herauskäme …

Der Film Blitz – Blank in der ARD – Mediathek von 20.00 bis 6.00 Uhr für 7 Tage:

http://www.ardmediathek.de/das-erste/filmmittwoch-im-ersten/blitzblank-fsk-tgl-ab-20-uhr?documentId=13148808

Arbeitsmarkt in Deutschland – Hauptsache, die Statistik stimmt

Arbeitsmarkt in Deutschland – Hauptsache, die Statistik stimmt

Immer mehr Arbeitslose werden von der Arbeitsagentur in Zeitarbeit vermittelt. Inzwischen kommt Kritik auch aus der Agentur selbst.

BERLIN taz | Eberhard Einsiedler liebt klare Worte. Bereits 2009 bemängelte der Mitarbeitervertreter der Bundesagentur für Arbeit (BA) in einem offenen Brief den „Zahlenfetischismus“ der Behörde. „Pfeifen sie Ihre Zahlenknechte zurück“, appellierte der Vorsitzende des Hauptpersonalrats damals an seinen Chef, den BA-Vorstandsvorsitzenden Frank-Jürgen Weise.

Nun hat Einsiedler erneut harsche Kritik am Kurs seines Hauses geübt – unter anderem daran, dass die Arbeitsagenturen Erwerbslose so häufig in Leiharbeit vermitteln. „Einzelne Agenturen erwirtschaften bis zu 70 Prozent ihrer Besetzungserfolge über Leiharbeit“, schreibt Einsiedler in einem Diskussionspapier. Das mache „eine selbstkritische Betrachtung dringend nötig“.

Hintergrund für Einsiedlers Einspruch ist, dass die Bundesagentur für Arbeit derzeit unter dem Schlagwort „BA 2020“ ihre Ausrichtung diskutiert. Und da gibt es nach Meinung Einsiedlers, der seit 1988 auf seinem Posten sitzt, einiges umzusteuern.

Weiterlesen in der taz vom 03.01.2013

http://www.taz.de/Arbeitsmarkt-in-Deutschland/!108404/

Geschönte Zustände

41,6 Millionen Menschen haben Arbeit, heißt noch lange nicht, dass sie auch davon leben können

Geschönte Zustände

Kommentar von Eva Völpel

Für die Eurozone zeichnen sich neue Hiobsbotschaften ab: Noch mehr Menschen werden 2013 ihren Arbeitsplatz verlieren. Schlichteren Gemütern mag da Trost spenden, dass für Deutschland nur ein geringer Anstieg der Arbeitslosenzahlen vorausgesagt wird.

Diese eher positive Prognose ist für Angela Merkel im Wahljahr Munition auf der Jagd nach Wählerstimmen. Es klingt ja auch toll: Noch nie waren hierzulande so viele Menschen – nämlich 41,6 Millionen – in Arbeit wie im Jahresschnitt 2012.

Doch was sagt die Zahl eigentlich aus? Erst einmal nichts. Es ist damit nämlich noch lange nicht gesagt, wie die Menschen arbeiten, ob sie von ihrem Lohn leben können, zufrieden sind mit ihrem täglichen Tun, dem Erhalt der Stelle vertrauen, ausreichend für die Rente vorsorgen können. Stellt man diese Fragen, kommt man zu anderen Einsichten.

Weiterelesen in der taz vom 03.01.2013:

http://www.taz.de/Kommentar-Arbeitsmarkt/!108406/

Suppenküchen reichen nicht – Der Berliner Senat ignoriert das Thema Armut

Suppenküchen reichen nicht – Der Berliner Senat ignoriert das Thema Armut

von Peter Ruhenstroth-Bauer

Beim Thema „Strategien gegen Armut“ hält sich der Berliner Senat auffällig zurück, sagt der ehemalige Vorsitzende des Berliner Beirats für Familienfragen Peter Ruhenstroth-Bauer. Im Schatten der Aktualität des BER-Debakels und der„Schredder-Affäre“ entwickelt sich Armut so zu einem immer größer werdenden Dauerproblemen in der Stadt.

Jedes Jahr im Dezember das gleiche Ritual: Sozialverbände, Glaubensgemeinschaften, engagierte Initiativen und nicht zuletzt auch die Medien machen „Armut“ zum Thema. Es bleibt nicht nur beim Bericht, sondern es folgt ein ganz konkreter Hilfsappell. Das ist gut so, denn zu keiner Zeit des Jahres wird mehr gespendet als vor Weihnachten. Pro Jahr kommen so in Deutschland zwischen drei und fünf Milliarden Euro zusammen.

Das große ehrenamtliche Engagement vieler Menschen und auch Organisationen, für die Schwächsten in unserer Gesellschaft einzutreten, verdient nicht nur Anerkennung und Respekt. Noch wichtiger ist, dass die Kehrseite der Medaille des „Engagements gegen Armut“ von der Politik mit „Maßnahmen gegen Armut“ offensiv angepackt wird. Wie schwer es aber der Politik fällt, sich mit Armut in unserem Land auseinanderzusetzen, hat gerade die Bundesregierung blamabel unter Beweis gestellt. Aus der im Entwurf zum Armuts- und Reichtumsbericht festgestellten größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich, die das „Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung“ verletze und „den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet“, wurde plötzlich das Gegenteil: sinkende Reallöhne sind „Ausdruck struktureller Verbesserungen“. Man fühlt sich in alte Zeiten zurückversetzt, ganz nach dem Motto: „Niemand hat die Absicht, etwas schönzureden“.

Weiterlesen im Tagesspiegel vom 25.12.2012

http://www.tagesspiegel.de/meinung/suppenkuechen-reichen-nicht-der-berliner-senat-ignoriert-das-thema-armut/7556162.html

Merkel muss Garantieerklärung für Löhne, Renten und Sozialleistungen abgeben

Merkel muss Garantieerklärung für Löhne, Renten und Sozialleistungen abgeben

DIE LINKE verlangt von der Bundesregierung eine Garantieerklärung. Diese soll klarstellen, dass die Euro-Stabilisierung nicht auf Kosten von Spareinlagen, Renten, Sozialleistungen, Löhnen und Massensteuern erfolgen wird.

Sicher ist, die Maßnahmen zur Euro-Stabilisierung belasten den Staatshaushalt. Im Haftungsfall kämen auf die Bundesrepublik Deutschland bis zu 400 Milliarden Euro Kosten zu. Und wieder stellt sich am Ende die Frage: Wer bezahlt die Zeche? Zwei Rettungswege stehen zur Auswahl: Entweder refinanziert sich der Staat durch Aufnahme neuer Schulden
oder durch Umverteilung. In den letzten Jahrzehnten ist immer wieder umverteilt worden. Aber von unten nach oben, auf Kosten der Rentenbezieher, der Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen, auf Kosten der Bezieher von Transferleistungen.

Laut Angaben der Bundesbank sind die Schulden der öffentlichen Hand innerhalb des Zeitraums 1999 bis 2011 von 1.200 Milliarden auf ca. 2.000 Milliarden Euro angewachsen. Der Schuldenzuwachs beträgt also 800 Milliarden Euro. Im selben Zeitraum ist allerdings das private Geldvermögen von 3.400 Milliarden auf knapp 5.000 Milliarden Euro, also um 1.600 Milliarden Euro angewachsen. D.h. das Privatvermögen, von dem das oberste Drittel der Bevölkerung 90 Prozent besitzt, wächst in Deutschland doppelt so schnell wie die öffentliche Verschuldung.

Wer sagt, dass nicht genug Geld da wäre, will die Privilegien dieses obersten Drittels nicht antasten. Geld ist da, und jeder weiß, wo es zu holen ist. Umverteilung ist daher die richtige Antwort. Aber die Richtung muss geändert werden: Richtig ist, von oben nach unten. Schon eine Reichensteuer wäre ein erster Schritt.

Soziale Gerechtigkeit ist die Voraussetzung für europäische Solidarität.

Als PDF – Datei:

http://dokumente.linksfraktion.de/110926-garantie-1.pdf

PlusMinus ARD vom 2. August 2011 – Das Märchen vom Fachkräftemangel

PlusMinus ARD vom 2. August 2011 – Das Märchen vom Fachkräftemangel

Das Märchen vom Fachkräftemangel

Bruno H. ist siebenundfünfzig. Früher arbeitete er als Umwelt – und Agrarökonom im mittleren und gehobenen Management. Als wir ihn im März diesen Jahres mit unserer Kamera besuchen, ist er seit rund zwölf Jahren mit Unterbrechungen arbeitslos. Hunderte von Bewerbungen hat er verschickt, Umschulungen auf Rat der Arbeitsagentur zum Pharmareferenten und Fachpädagogen absolviert. Aber heraus kamen nur kurzzeitige Jobs. Hinter verschlossenen Türen, so berichtete er, hätten ihm die Vermittler der Arbeitsagentur mal weniger direkt, mal ganz offen gesagt, dass die Arbeitgeber ihn für zu alt halten. „Ich denke, dass sich hinter dem Begriff, ich sei ‚zu alt‘ ein ganz anderer Sachverhalt verbirgt“, glaubt H.“dieser Begriff des „Zu-alt-Seins“ steht für mich synonym für zu teuer, für zu erfahren, für zu wenig blauäugig, für zu wenig skrupellos.“
Hohe Dunkelziffer

Hoch qualifiziert, aber zu alt für eine Neueinstellung – da ist er nicht allein: auch im Aufschwung finden nur wenige über 50 eine Anstellung. Während die allgemeine Arbeitslosenquote sinkt, stagniert der Anteil der Älteren mehr oder weniger. Immer noch sind etwa eine Million von ihnen ohne Job.

Tatsächlich sind es sogar mehr als in den Statistiken stehen. Denn: Arbeitslose ab 58, die länger als ein Jahr keine Angebote erhalten, fallen einfach aus der Statistik heraus. Wenig Anreiz für die Agenturen, diesen überhaupt noch Stellen anzubieten. Bruno H. wird in wenigen Monaten 58.

Hartz IV mit 57

Als wir Bruno H. im August 2011 besuchen, also fast ein halbes Jahr nachdem wir ihn das erste Mal getroffen haben, hat er immer noch keinen Job. Im Gegenteil: Er ist von Arbeitslosengeld I in Hartz IV gerutscht, bekommt als noch weniger finanzielle Unterstützung vom Staat. Er erzählt uns, dass er frustriert ist – auch „über das, was ich höre, nämlich, dass angeblich alles so prima läuft gerade für die Älteren und für Fachkräfte, so weit, dass man sogar außerhalb der Bundesrepublik suchen muss.“

Was H. damit meint ist die aktuelle Debatte über neue Zuwanderungsregelungen für Fachkräfte. Der Grund: Während fast eine Million ältere Arbeitslose in Deutschland vergeblich auf Jobs warten, klagt die Wirtschaft über einen angeblichen „Fachkräftemangel“. Die Zuwanderung von Hochqualifizierten aus Drittländern wie China oder Indien müsse gefördert werden, unter anderem durch niedrigere Einkommensschwellen für ausländische Kräfte. Sonst drohe der deutschen Wirtschaft der Kollaps.

Fachkräfteflucht

Gleichzeitig laufen den deutschen Unternehmen viele einheimische Fachleute davon: Eine Studie der Bertelsmannstiftung zeigt, dass pro Jahr mehr Wissenschaftler und Führungskräfte aus Deutschland auswandern als einwandern. Deutschland verliert den Kampf um die Köpfe gegen andere EU-Länder. Der Grund ist ganz einfach: Dort wird besser gezahlt und es herrscht eine andere Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte mit Annehmlichkeiten wie Zuschüssen, Kinderbetreuungsangeboten oder Hilfe bei der Stellensuche für die Partner der Zuwanderer.

Zu niedrige Löhne

Karl Brenke vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung analysiert seit langem die Einkommens-Entwicklung in Deutschland. Er kommt zu dem Schluss: Es gibt hier gar keinen Fachkräftemangel, sonst müssten die Löhne höher sein, denn die Löhne seien wie die Preise der beste Knappheitsindikator: „Die Löhne sind in Deutschland in den letzten Jahren nicht stark gestiegen, das gilt auch für Löhne für Hochqualifizierte oder Ingenieure.“ Und wenn man Fachkräfte aus anderen EU-Staaten anlocken wolle, müsse man gute Arbeitsbedingungen bieten. Dazu gehöre vor allem eine entsprechende Entlohnung. „Wenn die deutschen Arbeitgeber dazu nicht bereit sind, dann werden sie eben die Fachkräfte aus anderen Ländern nicht bekommen, obwohl dort die Arbeitsmarktsituation schwierig ist, wie beispielsweise in Spanien oder Irland.“

Lohndrückerei

Doch wenn es nach den Arbeitgeberverbänden geht, sollen außereuropäische Zuwanderer nicht mehr, sondern weniger verdienen. Aus Sicht von IG BAU Chef Klaus Wiesehügel eine gefährliche Strategie: „Die Auswirkung wird noch mal ein gewaltiger Lohndruck sein. Wir werden erleben, dass Menschen in dieses Land wandern, über niedrige Löhne um den Arbeitsplatz konkurrieren, und diejenigen, die den Arbeitsplatz jetzt haben, werden dabei stehen und sehen, dass ihr Arbeitsplatz verloren gegangen ist.“

Brenke vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sieht das ganz ähnlich ein: Je höher das Angebot, desto geringer sind die Preise und das gelte auch für den Arbeitsmarkt: je höher das Angebot an Arbeitnehmern, desto geringer seien die Löhne, „wenn Zuwanderung stattfindet, drückt das auf die Löhne.“

Personaler mit Vorurteilen

Ältere Langzeitarbeitslose landen irgendwann zwangsläufig in den Job-Centern. Die Vermittler dort wissen, wie schwierig es ist, über 55-Jährige wieder in Arbeit zu bringen und kennen die Vorurteile von Arbeitgebern, die aber unberechtigt sind, meint Stefan Franz von der Arge: „Es gilt für die Personal-Entscheider erst einmal eine Hürde zu überwinden und nicht davon auszugehen: alt = krank.“

Auch der Arbeitsmarkt-Experte Heiko Breit vom Saarbrücker ISO-Institut findet, dass die Agenturen und Jobcenter bereits gute Maßnahmen für Ältere entwickelt haben: „sie werden trainiert, weitergebildet, gecoacht, motiviert – aber das ist immer losgekoppelt von den Betrieben selbst.“ Es müssten betrieblicher Bedarf und individuelles Potential abgestimmt werden: „Das heißt, die Unternehmen müssen mit ins Boot geholt werden.“

Fachkräftepotential: Eine halbe Million

Vermittler Franz rechnet vor: Nur etwa die Hälfte der über 55-jährigen Deutschen haben derzeit Jobs. Würde man diese Quote um nur zehn Prozent steigern, hätte die Wirtschaft auf einen Schlag eine halbe Million Fachkräfte mehr. Denn sie stehen dem Arbeitsmarkt sofort zur Verfügung; diese Maßnahme würde also wesentlich schneller helfen im Kampf gegen den Fachkräftemangel als Programme gegen Studienabbrüche oder Arbeits-Anreize für Erziehende.

Die Älteren seien „entgegen aller Vorurteile, die es in den Betrieben gibt, flexibel, denn das sind Menschen, die arbeiten möchten. Die Fähigkeiten jenseits der fachlichen Qualifikation wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Teamfähigkeit sind bei ihnen meist besser ausgeprägt als bei jungen Berufseinsteigern“, meint Jobvermittler Franz und appelliert an die Unternehmen, endlich umzudenken und ältere Arbeitskräfte einzustellen: „Sie werden nicht enttäuscht werden!“

Im Internet PlusMinus:

http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,quu9gf0a1y1qhjjg~cm.asp

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