NDR – 45 Minuten – Ehrenamt unter Druck

Zu dem Beitrag vom NDR: eigene Erfahrungen mit dem Jobcenter Hamburg – Nord:

Vor dem Hintergrund folgender Qualifikationen: U. a. Sanitäter bei der Bundeswehr, Erzieher, Grundstudium Sozialarbeit, Studium der Psychologie (Abschluss Dipl. Psychologe) Ausbildung zum systemischen Familientherapeuten und einer Zusatzqualifikation zum Manager für Non – Profit – Organisationen wurde ich grundsätzlich in massiver Form bedrängt zu 1 Euro Jobs, Bundesfreiwilligen Dienst und vor allem zu „ehrenamtlichen Tätigkeiten“, statt einer Vermittlung in eine versicherungspflichtigen Tätigkeit.

Das ging sogar soweit, dass die zuständige Mitarbeiterin mich Zuhause anrief und folgendes von mir forderte (wörtlich zitiert): „Herr Lange Sie sind doch auch Dipl. Psychologe und da haben Sie doch auch eine soziale Einstellung und da könnten Sie doch auch ehrenamtlich arbeiten, schließlich werden Sie auch vom Staat bezahlt“ (damals 390 Euro Almosen mit anschließend garantierter Altersarmut wegen komplett fehlender Beiträge in die Rentenversicherung bei Hartz IV und der Zwangverrentung mit 63 mit massiven Abschlägen entsprechend der Rente mit 67)

Siehe dazu auch: Spiegel Online – Reformidee:Langzeitarbeitslose sollen Hartz-IV – Kinder betreuen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/reformidee-langzeitarbeitslose-sollen-hartz-iv-kinder-betreuen-a-707089.html

NDR – 45 Minuten – Ehrenamt unter Druck

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland hat es ins allgemeine Bewusstsein der Bevölkerung gebracht: ohne ehrenamtliche Arbeit geht nichts mehr. Man mag sich nicht ausdenken, was ohne das Engagement Zehntausender ehrenamtlicher Helfer, die sich um Flüchtlinge kümmern, geschehen würde. Aber nicht nur bei der Flüchtlingshilfe sind Ehrenamtliche im Einsatz. Sie engagieren sich für Obdachlose, sind in Altenheimen aktiv, arbeiten in Bahnhofsmissionen und Tafeln, im Umweltschutz, bei der freiwilligen Feuerwehr, in Sportvereinen und vielen anderen Bereichen. Beeindruckend allein die Zahlen. In ganz Deutschland engagieren sich 23 Millionen Menschen ehrenamtlich: In Schleswig-Holstein sind 40 Prozent der über 14-Jährigen ehrenamtlich tätig, in Niedersachsen 41 Prozent und in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern immerhin noch 29 Prozent.

 

Bedürftige sind auf Tafeln und Kleiderkammern angewiesen

Auch in kleinen Gemeinden ist die in Deutschland wachsende Armut spürbar. In Sörup bei Flensburg beispielsweise bekommen 400 der gut 4.000 Einwohner Lebensmittel von der Tafel und Kleidung aus der Kleiderkammer. Beide Einrichtungen würden ohne engagierte Ehrenamtliche nicht funktionieren. Doch das ist nicht alles. Petra Jürgensen schneidet Mitbürgern mit wenig Geld jeden Montag kostenlos die Haare. Und Martin Andersen und seine Frau Birgit stehen oft auch nach Feierabend noch in ihrem Imbiss und arbeiten weiter: Sie kochen ehrenamtlich frische Suppe für die Tafel in Sörup.

Sportraining für Kinder und Jugendliche – ermöglichen Ehrenamtliche

 Die meisten Ehrenamtlichen in Deutschland engagieren sich in Sportvereinen. Der Hamburger Rentner Kurt Stephan etwa ist als Platzwart für Grün-Weiss-Eimsbüttel tätig und leitet zudem eine Nordic-Walking-Gruppe für Senioren. Auch Annika Mollenhauer spendet einen Großteil ihrer Freizeit dem Verein. Die hauptberufliche Erzieherin trainiert mehrere Fußballmannschaften – zehnjährige Mädchen genauso wie 18-jährige Jungs.

Macht der Staat es sich zu leicht?

Tatsächlich drängt sich die Frage auf, ob es denn wirklich die Aufgabe von ehrenamtlichen Helfern ist, die Betreuung von Flüchtlingen zu koordinieren oder dafür zu sorgen, dass Menschen in Deutschland genug zu essen haben. In einigen gesellschaftlichen Bereichen verlässt sich der Staat auf das ehrenamtliche Engagement der Bürger und zieht sich sehr weit zurück. Macht er es sich dadurch nicht zu leicht? Und wie ist das für die Betroffenen, wenn eine staatliche Aufgabe in private Hände gelegt wird, wenn zum Beispiel aus einem Rechtsanspruch ein Almosen wird?

NDR – 45 Minuten – Ehrenamt unter Druck

 http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/Ehrenamt-unter-Druck,sendung490466.html

Buchempfehlung: „Freiwillig zu Diensten? Über die Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit“

Buchempfehlung: „Freiwillig zu Diensten? Über die Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit“

Paperback – 144 S. – ¤ 14,90 – ISBN: 978-3-939816-18-8

23 Millionen Ehrenamtliche arbeiten in Deutschland in Kleiderkammern, in Kitas und in Schulen. Sie betreuen Kranke, sie sitzen an den Kassen von Theatern und Schwimmbädern, pflegen kommunales Grün und steuern den „Bürgerbus“. Alles unbezahlt, alles fürs Gemeinwohl. Schön, wenn Menschen sich für andere engagieren. Es hilft auch den Helfenden, macht zufrieden, vermittelt neue Einsichten und Kontakte. Und verschleiert den Blick. Vor lauter Begeisterung über „bürgerschaftliches Engagement“ sehen wir nicht mehr, woher die vielen Armen im Lande kommen. Wir nehmen den Zusammenhang nicht wahr zwischen kaputt gesparten Kommunen, Ein- schnitten im sozialen Netz, der Konzentration des Reichtums bei wenigen und den Dauer-Appellen an uns alle, bitte mit auszuhelfen. Die Freiwilligen halten mit ihrer Gratisarbeit nicht nur den Betrieb in Pflegeheimen, Kitas und Schwimmbädern aufrecht. Sie tragen auch dazu bei, den Niedriglohn-Sektor auszudehnen und die Arbeit von Hauptamtlichen zu dequalifizieren. Sie stopfen Löcher, die politische Entscheidungen ins Sozialwesen, die Bildung und die Infrastruktur gerissen haben. Und werden von den Politikern am „Ehrenamts-Tag“ dafür belobigt. Warum noch für Arbeit bezahlen, wenn Ehrenamtliche sie umsonst oder für ein Taschengeld verrichten? Claudia Pinl zerstört das hehre Bild des „bürgerschaftlichen Engagements“, wie es uns von Professoren, Politikern und Ehrenamts-Profi s präsentiert wird. Die Autorin appelliert an die Freiwilligen, nicht länger den Ausputzer für politische Fehlentscheidungen zu machen. Und an die Politik, öffentliche Aufgaben im Sozialen, in der Bildung und im Kommunalen wieder öffentlich finanzierbar zu machen.

Claudia Pinl, geboren 1941, war Rundfunk-Journalistin, Bonner Korrespondentin der „taz“ und Fraktionsmitarbeiterin der Grünen im Bundestag. Heute lebt und arbeitet sie als Publizistin und Autorin in Köln. Sie hat mehrere Bücher u. a. zu den Themen Frauen und Arbeit, zum Geschlechterverhältnis und zu neokonservativen Entwicklungen in der Gesellschaft verfasst.

Freiwillig zu Diensten

http://data9.blog.de/media/131/7402131_a36518c512_d.pdf

Klappentext:

http://www.nomen-verlag.de/admin/bilder_nomen/43_PINL_Klappentext_Inhalt_Autorin.pdf

Nomen Verlag

Homburger Landstraße 105
60435 Frankfurt am Main

Telefon: 069 / 954 162 13
E-Mail: nomen@nomen-verlag.de

http://www.nomen-verlag.de

Die Ausputzer

Die Ausputzer

Hintergrund. Das neue Mildtätigenwesen: »Bürgersinn« und »Ehrenamt« sollen den Sozialstaat ersetzen.

Von Claudia Pinl

Die USA und Großbritannien haben es vorgemacht, seit rund 20 Jahren macht Deutschland es nach: Weniger Staat, mehr Markt, weniger Sozialleistungen, dafür mehr »Eigeninitiative« – nach diesem Muster wird die bundesdeutsche Gesellschaft umgekrempelt. Der Preis ist hoch: arm gemachte Kommunen, ein unterfinanziertes Bildungswesen, fehlende Krankenhausinvestitionen und Pflegeinfrastruktur, zu wenig Geld für den öffentlichen Personenverkehr und den Bau bezahlbarer Wohnungen für Mieter, darbende Kultureinrichtungen und ein wachsender Anteil verarmter Menschen. Die ständige Einforderung von »bürgerschaftlichem Engagement«, sprich: Ehrenamt und Gratisarbeit, ist Teil der neoliberalen Transformation der Gesellschaft. Denn nach dem Ende des bisherigen Sozialstaats gibt es viel zu tun: Armenspeisungen, wie man sie in Deutschland zuletzt 1929 kannte, Sponsoring von Kultur und Bildung durch Milliardäre und Stiftungen, wie es die Rockefellers schon lange machen, Betreuung durch »Grüne Damen« und Lesementoren, Arbeit in Kleiderkammern und für Kindermittagstische in sozialen Brennpunkten.

Weiterlesen in der jungen Welt vom 07.11.2013

http://www.jungewelt.de/2013/11-07/022.php

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Der Blogwart 2.0

Wollte ursprünglich mal über nette Hobbies schreiben, bin dann aber in der "Twilight Zone" des politischen Alltags gelandet.

Sozialsystem Schweiz

Eine unzensierte Kommunikation zwischen einem Sozialhilfeempfänger und dem Sozialamt Bern und Ämter. Dieses Archiv (Mirror1) ist den BGE Generationen gewidmet (Quelle: tapschweiz.blogspot.ch)

kritischerkommilitone

Nicht nur Kritik am Arbeitsamt

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